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Erneut klemmt es beim Aufzug der Bahn

Einbau der Lifte in Halstenbek und Pinneberg-Thesdorf verzögert sich. Verantwortliche schweigen über die Gründe. Politiker reagieren verärgert.

Rainer Burmeister, in: Pinneberger Zeitung vom 26. Juli 2010


Ein bisschen was tut sich: Die Treppe in Thesdorf ist schon mit Holz verschalt.
Foto: Rainer Burmeister

Die Information für die "sehr geehrten Fahrgäste" am mit Brettern vernagelten Haupteingang der Halstenbeker S-Bahn-Station ist Schnee von gestern. Für die Bauarbeiten "von Dezember 2009 bis Juni 2010" wird um Verständnis gebeten. Kein Verständnis haben die Bahnkunden hingegen dafür, dass es mit dem Einbau von Aufzügen an den Haltestellen Halstenbek und Thesdorf auf der Linie S 3 von und nach Pinneberg nicht vorangeht. Der Juni ist längst vorbei; der Fahrplan für die beiden Bauvorhaben total überholt.

Eigentlich sollten die Lifte für Rollstuhlfahrer, Gehbehinderte, Eltern mit Kinderwagen und Reisende mit Gepäck bereits betriebsbereit sein. Doch davon ist nun keine Rede mehr. Stattdessen wissen die Verantwortlichen der Deutschen Bahn (DB) und der Landesweiten Verkehrs-Servicegesellschaft (LVS) selbst nicht genau, wann die Kundschaft endlich auch mit dem Fahrstuhl zum Zuge kommen kann.

Dennis Fiedel von der LVS spricht von einer Fertigstellung im Spätherbst, sein Kollege Dirk Pohlmann von der DB rechnet damit, dass zum Jahresende wenigstens die Aufzüge funktionieren sollen. Doch die sind nur ein Teil des Projekts, das auch neue Treppenaufgänge, ein Blindenleitsystem und eine optische Aufbereitung der Bahnsteigzugänge vorsieht.

Die Verzögerungen erklärt Bahnsprecher Pohlmann mit Überraschungen, ähnlich wie man sie beim Hausbau erleben könne. Details werden offiziell nicht genannt. Mal geht es dem Vernehmen nach um verborgene Leitungen, die bei den Abbrucharbeiten des Eingangstrakts in Halstenbek entdeckt worden seien. Dann soll wiederum das geplante Blindenleitsystem Grund für den Zeitverzug sein. Auch von Personal- und Materialengpässen war im Pinneberger Rathaus zu hören.

Während in Halstenbek in den vergangenen Monaten sogar nachts mit Höllenlärm immerhin der Abbruch des alten Bahnhofszugangs vorankam, tat sich an der Pinneberger Station Thesdorf bis vor ein paar Wochen gar nichts. Doch kürzlich wurde immerhin der alte Treppenaufgang zum Thesdorfer Weg mit Holz verschalt und zum Abbruch vorbereitet. Aus Pressholzplatten errichteten Bauarbeiter außerdem ein Treppen-Ersatzbauwerk und einen Zugangsweg zum Bahnsteig. Jenseits der vierspurigen Straße sollen diese Zugänge neben dem Park-and-ride-Platz während der Bauarbeiten von den Fahrgästen benutzt werden. Wann es mit dem Provisorium losgeht, war nicht in Erfahrung zu bringen.

Der offizielle Startschuss für beide Bauvorhaben war drei Tage vor Weihnachten 2009 gefallen. An den künftigen Baustellen fanden sich bei Schnee und Eis neben anderen die Bürgermeisterinnen Kristin Alheit (Pinneberg), Linda Hoß-Rickmann (Halstenbek), die Bundestagsabgeordneten Ole Schröder (CDU), Ernst Dieter Rossmann (SPD), der Landtagsabgeordnete Bernd Schröder (SPD) sowie die DB-Konzernbevollmächtigte Ute Plambeck ein, um die Bauschilder für das 2,1 Millionen Euro teure Projekt an beiden Bahnhöfen öffentlichkeitswirksam zu enthüllen. Die Kosten für das Projekt teilen sich der Bund, die Bahn und das Land Schleswig-Holstein. Die Kommunen müssen keinen Cent dazu beisteuern. Die Bürgermeisterinnen zeigten sich damals hoffnungsvoll, dass es später auch für die Stationen Pinneberg und Krupunder barrierefreie Zugänge geben werde.

Solche Umbauten werden seit Jahrzehnten von Behindertenverbänden und Bahnbenutzern gefordert. Vor allem der Pinneberger Landtagsabgeordnete Bernd Schröder setzte sich immer wieder für den Aufzugbau in Halstenbek und Thesdorf ein und machte politisch Druck, weil es immer wieder zu Verzögerungen wegen Geldmangels und organisatorischer Umstellungen kam. Für den erneuten Verzug beim Lift zum Zug hat der Sozialdemokrat kein Verständnis. "Ich fordere die Bahn-Verantwortlichen auf, alles daran zu setzen, die Umbauarbeiten voranzutreiben", sagt Schröder verärgert.