Entwicklung im neuen Gewerbegebiet
Von Helmuth Jahnke, in: Informationen und Meinungen Mai 2004
Gesellschaften, hinter denen als Gesellschafter die bekannte Hamburger Familie Greve steht, haben im neuen Gewerbegebiet südlich der Gärtnerstraße eine zusammenhängende Fläche von ca. 100.000 m2 erworben. Sie beabsichtigen dort die Errichtung von 4 Bürogebäuden mit Tiefgaragen (34.000 m2), einer Seniorenresidenz (22.000 m2, 150 Bewohner), einem Möbel- und Einrichtungs-haus (24.000 m2), Fachmärkten (14.500 m2, ein-schließlich eines Lebensmittelmarktes mit 11.500 m2 Verkaufsfläche) und einem Schnellrestaurant (500 m2) sowie einer Vielzahl von Stellplätzen. Insgesamt wollen sie über 100 Millionen Euro investieren. Bis zu 1000 Arbeitsplätze werden geschaffen. Die Gewerbesteuereinnahmen der Gemeinde dürften sich spürbar erhöhen.
Für die Erschließung des Gewerbegebiets wird die Straße Gewerbering an die Gärtnerstraße angeschlossen, der Seemoorweg ausgebaut. Das zugrunde liegende Verkehrskonzept sieht vor, dass die Gärtnerstraße („Wohnmeile“) in Richtung Ortskern bis zur Einmündung des Gewerberings in die Gärtnerstraße Einbahnstraße wird, der Zu- und Abfahrtsverkehr in das Gewerbegebiet möglich ist, ohne dass an der Altonaer Straße abgebogen werden müsste. Dadurch sollen die bestehenden Verkehrsprobleme in dem Bereich gelöst, neue von vorneherein verhindert werden.
SPD-Fraktion-Halstenbek unterstützt das Vorhaben
Sofern die noch ausstehenden konkreten Berechnungen mit dem zu erwartenden Verkehrsaufkommen die Tauglichkeit des Verkehrskonzepts zur Lösung der Verkehrsprobleme bestätigen, unterstützt die SPD-Fraktion Halstenbek das Vorhaben. Die Entwicklung im Gewerbegebiet wird zu einer Stärkung des Gewerbe-Standorts Wohnmeile führen, der ansonsten durch sich abzeichnende Entwicklungen in Hamburg und Umgebung stark gefährdet werden könnte. Das Vorhaben würde die vorhandenen Arbeits- und Ausbildungsplätze sichern und in erheblichem Umfang in der Gemeinde neue Arbeitsplätze schaffen. Ein attraktives Gewerbegebiet liegt auch im unmittelbarem Interesse der Gemeinde Halstenbek, die davon in vielfältiger Weise finanziell profitiert, was letztlich allen Einwohnerinnen und Einwohner zu Gute kommt.
Beeinträchtigung des Ortskerns nicht zu erwarten
Eine Beeinträchtigung des Ortskerns, weil ihm Kunden entzogen werden könnten, erscheint nicht sehr wahrscheinlich. Ein Zusammenhang zwischen der Entwicklung im Ortskern und der im Gewerbegebiet besteht offenkundig nicht. Obwohl es im neuen Gewerbegebiet - mit Ausnahme der Ansiedlung von SB-Phillip und der Firma Zemlin seit Jahrzehnten zu keiner weiteren Ansiedlung von Gewerbe gekommen ist, hat das die Verödung des Ortskerns nicht aufhalten können. Umgekehrt wird auch die Ansiedlung eines großflächigen Verbrauchermarktes ohne Einfluss auf die Entwicklung im Ortskern bleiben. Wer heute noch in den Geschäften des Ortskerns einkauft, wird dies auch künftig tun. Vielmehr dürfte der Verbrauchermarkt vor allem von denen genutzt werden, die zur Zeit zum Einkaufen nach Schenefeld, Lurup, Eidelstedt oder Pinneberg fahren.
Seniorenresidenz ist unproblematisch
Überhaupt nicht zu verstehen ist die von einigen geäußerte Kritik an der geplanten Seniorenresidenz. Am Rande des Gewerbegebiets gelegen stellt es einen guten Übergang zur angrenzenden Wohnbebauung dar und bietet eine zusätzliche Abschirmung des Gewerbegebiets. Ob die Fläche dafür zu wertvoll, der Standort geeignet ist und ob es sich rechnet, ist kein von der Gemeinde zu bewertender Umstand, sondern Sache und Risiko des Betreibers. Angesichts der Erfahrungen der Investorenfamilie Greve mit dem Betrieb von Seniorenresidenzen scheint es im übrigen auch nicht wahrscheinlich, dass hier eine Investitionsruine verwirklicht werden würde.
Alternative zur Entwicklung im Gewerbegebiet ist der Stillstand
Sollte das Vorhaben jetzt scheitern, dürfte eine weitere Ansiedlung von Gewerbe im gesamten Bereich des neuen Gewerbegebiets auf lange Sicht nicht möglich sein. Der Investor kann nicht zu einer anderen Verwendung seiner Grundstücke gezwungen werden. Seine Flächen werden zudem für die Erschließung benötigt. Der Druck, an anderer vermutlich problematischerer - Stelle in der Gemeinde Gewerbeflächen auszuweisen, würde steigen. Die Finanzlage der Gemeinde würde weitere Kürzungen oder andere Einnahmesteigerungen erfordern. Wichtige Vorhaben wie z.B. auch die Attraktivitätssteigerung des Ortskerns könnten schon aus Geldmangel nicht verwirklicht werden. Die Alternative zum Verzicht auf die Entwicklung im Gewerbegebiet ist nicht erfreulich, die Vorteile um so mehr.

