1000 neue Jobs für die Gemeinde Halstenbek?
Durchbruch: 100 Millionen Euro sollen in die Erweiterung des brach liegenden Gewerbe- Areals südlich der Wohnmeile investiert werden.
Rainer Burmeister, in: Pinneberger Zeitung vom 14. April 2004
Endlich einmal eine gute Nachricht aus dem Knick-Ei-geschädigten Halstenbek: Die Hamburger Familie Greve will 100 Millionen Euro in der Baumschulgemeinde investieren. Die zu diesem Zweck gegründete Grundstücksgesellschaft Halstenbek Immels GbR erwarb 100 000 Quadratmeter Fläche im seit 15 Jahren brach liegenden Gewerbe-Erweiterungsgebiet der Wohnmeile. Auf dem Gelände zwischen Gärtnerstraße, Eidelstedter Weg und Seemoorweg sollen unter anderem ein Fachmarktzentrum, ein Möbelhaus, eine Seniorenresidenz der Luxusklasse sowie diverse Bürobauten mit maximal 30 000 Quadratmetern Nutzfläche in der Endausbaustufe entstehen.
Im ersten Bauabschnitt würden bereits 500 bis 800 Arbeitsplätze, langfristig sogar 1000 Jobs entstehen, erfuhren die Halstenbeker Gemeindepolitiker von den Investoren. Greves Planer sind mit SB-Philip-Chef Thomas Schulenburg, der den Pfadfinder für die Hamburger Investoren spielte, derzeit dabei, den Fraktionen in vertraulichen Runden ihr Konzept vorzustellen und schmackhaft zu machen. Bereits im kommenden Jahr könnte mit den Bauvorhaben beiderseits der Straße "Gewerbering" begonnen werden, falls die Gemeinde und die Landesplanung grünes Licht geben. In Halstenbek gibt es bisher für das Areal lediglich einen Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan, der komplett neugefasst werden müsste. Bislang sollte verkaufendes Gewerbe ebenso wie eine Wohnnutzung im Erweiterungsgebiet ausgeschlossen sein.
In Sachen Landesplanung besteht enger Kontakt zum wirtschaftspolitischen Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Bernd Schröder, Wirtschaftsminister Bernd Rohwer sowie zu dem für die Landesplanung zuständigen Innenministerium. Zunächst muss jedoch die Gemeinde Halstenbek die planerischen Voraussetzungen schaffen.
Das Konzept sieht vor, die Erschließungsstraße "Gewerbering" zu verlängern und bogenförmig über die Industriestraße zur Gärtnerstraße zu führen. Das Fachmarktzentrum, zu dem ein Verbrauchermarkt, mehrere Einzelhandelsgeschäfte und Gastronomie gehören, verfügt über 11 200 Quadratmeter Nutzfläche. Für den Verbrauchermarkt im Fachmarktzentrum ist neben anderen Realkauf im Gespräch. Hinzu kommt ein Drive-In-Schnellrestaurant. Das Möbelhaus mit einer Verkaufsfläche von 19 000 Quadratmetern soll dem Vernehmen nach vier verschiedene Betreiber auf dem Sektor des gehobenen Bedarfs beherbergen, darunter eventuell auch das Antik-Möbelhaus von Hannelore Greve.
Die Seniorenresidenz mit 150 Plätzen wird gehobene Ansprüche bedienen. Die Ausstattung soll Vier-Sterne-Niveau entsprechen. Das Gebäude wird zur Grünzone am Eidelstedter Weg ausgerichtet und zum Gewerbering mit Bürogebäuden abgeschirmt.
Bei einer Realisierung des Konzepts könnte die Gemeinde Halstenbek schon bald ihre Gewerbesteuereinnahmen von etwa zwei Millionen Euro jährlich verdoppeln, rechneten die Investoren den Politikern vor. Da die Gebäude an die späteren Nutzer vermietet werden, dürfte die Gewerbesteuer schneller in die Gemeindekasse fließen, denn Abschreibungsmöglichkeiten für die Nutzer sind nur in geringem Umfang möglich. Einen Anreiz für Hamburger Firmen nach Halstenbek zu wechseln, bietet der im Vergleich um 130 Prozentpunkte niedrigere Gewerbesteuerhebesatz.
Ein weiterer sensibler Bereich, die Verkehrsproblematik in der Wohnmeile, soll ebenso einer Lösung zugeführt werden. Vorgesehen ist, die Gärtnerstraße in Höhe Media-Markt bis Einmündung Industriestraße als zweispurige Einbahnstraße in Richtung Halstenbek-Ort zu führen. Auch im Gewerbering wird die Einbahnstraßenführung fortgesetzt. Der Seemoorweg soll nach ersten Planungen zweispurig ausgebaut werden. Einzelheiten wird Verkehrsplaner Rolf Hüttmann ausarbeiten.
In der SPD und in der FDP ist das Konzept positiv aufgenommen worden, die CDU wird sich in der kommenden Woche informiert. Die Grünen lehnen die Planungen ab.
Entscheidend ist allerdings die Zustimmung der Landesplanung. Am Kieler Veto scheiterte vor einigen Jahren der Versuch Schulenburgs, einen Famila-Markt in das Gewerbegebiet zu holen.
Einen Anreiz für Hamburger Firmen nach Halstenbek zu wechseln, bietet der im Vergleich um 130 Prozentpunkte niedrigere Gewerbesteuerhebesatz.

