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Ein dritter Ortskern für Halstenbek

100-Millionen-Investition im Gewerbegebiet geplant / 800 Arbeitsplätze sollen entstehen

Von Andreas Daebeler, in: Pinneberger Tageblatt vom 14. April 2004

Mega-Bauprojekt: Ein Investor hat ein 100.000 Quadratmeter großes Areal in Halstenbek erworben - dort sollen 800 Arbeitsplätze entstehen, 100 Millionen Euro investiert werden.

„Hier entsteht eine Kleinstadt". So könnte die Aufschrift eines Schildes lauten, wenn die Bagger im Gewerbegebiet Halstenbek anrollen. Nach Tageblatt/BZ-Informationen will ein Hamburger Investor 100 Millionen Euro investieren, bis zu 800 Arbeitsplätze schaffen und das bisher brach liegende Areal zwischen Wohnmeile und Eidelstedter Weg mit Leben erfüllen. Entstehen sollen ein Seniorenzentrum mit 150 Plätzen, ein Bürokomplex mit 30.000 Quadratmetern Nutzfläche, eine Filiale der Fast-Food-Kette McDrive, ein Möbelmarkt mit 19.000 Quadratmetern Fläche und ein 11.200 Quadratmeter großes Fachmarktzentrum mit mehreren Betreibern und einem Restaurant. Spekuliert wird, dass ein großer Lebensmittelmarkt angesiedelt wird.

Jahrelang war vergeblich versucht worden, Investoren für den nicht in gemeindlichem Besitz befindlichen Teil des Gewerbegebiets zu finden. Halstenbeks Bürgermeister hatte immer wieder darauf verwiesen, dass die Grundstückseigentümer zu hohe Preise verlangten und nicht an einen Tisch zu bekommen seien. Ein anderer hat es geschafft: Thomas Schulenburg, der als Besitzer des Möbelmarkts SB-Philipp ein vitales Interesse an zusätzlicher Laufkundschaft hat, durchbrach den gordischen Knoten. „Ich habe den Grundstücksverkauf vorbereitet, der Investor hat gekauft - ohne Rücktrittsrecht." Der Käufer, das ist die Grundstücksgesellschaft Halstenbek Immels, zu deren Gesellschaftern Mitglieder der Familie Greve aus Hamburg gehören.

Die Knackpunkte des Projekts sind klar: Zum einen die Erschließung des Geländes - der Gewerbering müsste ausgebaut werden -, zum zweiten die Verkehrsproblematik insgesamt. Der Knotenpunkt Wohnmeile ist bereits überlastet. Vor allem aber die Landesplanung dürfte ein gewichtiges Wort mitreden. Derartige Projekte bedürfen der Genehmigung aus Kiel.

ZWEIFEL

Die Realisierung des Gewerbegebiets zwischen Lübzer Straße, Wohnmeile und Eidelstedter Wegs ist seit Jahren erklärtes Ziel des Bürgermeisters Bruno Egge. Immer wieder hatte es Versuche gegeben, dort Gewerbe anzusiedeln. Dabei sammelte die Gemeinde auch schlechte Erfahrungen. Im Februar 2002 etwa stand das Familienunternehmen Famila Gewehr bei Fuß, wollte im Gewerbegebiet einen 5000 Quadratmeter großen Verbrauchermarkt errichten. Viele rieben sich angesichts der Aussicht auf 100 Arbeitsplätze die Hände. Doch: Zu früh gefreut. Die Landesplanung in Kiel machte einen Strich durch die Rechnung. Bleibt abzuwarten, ob die Experten in der Landeshauptstadt sich jetzt anders entscheiden.

STEUERN

Halstenbek liegt mit etwa 2,5 Millionen Euro Gewerbesteueraufkommen im Kreis Pinneberg ganz hinten. Laut SPD-Fraktionschef Helmuth Jahnke könnte sich diese Summe nach Umsetzung des Projekts auf fünf Millionen verdoppeln.

KRITIK

Ines Strehlau wurde deutlich: „Wir lehnen die Pläne in dieser Form ab", erklärte die Fraktionsvorsitzende der Grünen. Das Vorhaben sei ein Todesstoß für den Ortskern, der „sicher kaputt gemacht" werde. Außerdem würden sich die Verkehrsprobleme erheblich verschärfen. „Eine Verkehrsberuhigung in der Gärtnerstraße wäre nicht mehr durchsetzbar", so Strehlau. Mitgetragen hätten die Grünen den ursprünglichen Aufstellungsbeschluss, wonach sich mittelständische und ortsansässige Gewerbebetriebe in dem betroffenen Gebiet ansiedeln sollten. Strehlau hofft auf Unterstützung durch die Landesplanung: „Die haben vor eineinhalb Jahren gesagt, mit dem verkaufenden Gewerbe sei jetzt endgültig Schluss", erklärte sie.

WEITERE STIMMEN AUS HALSTENBEK

Einen Luftsprung vollführte er nicht: Bürgermeister Bruno Egge (parteilos) reagierte gestern sehr zurückhaltend auf die Ansiedlungspläne. „Ich registriere, dass die Fraktionen darüber informiert sind", sagte er nur. Gerüchte, wonach er Vorbehalte gegen das Projekt habe, weil es von Thomas Schulenburg angestoßen wurden, wies er jedoch zurück: „Mit ihm hat das nichts zu tun", blieb er den Grund für sein Zögern schuldig. Freude dagegen bei der FDP: „Wir sind froh, dass die Grundstücksfrage geklärt ist. Die Gemeinde kann das Geld aus den Gewerbesteuereinnahmen dringend gebrauchen", erklärte Fraktionschef Herwart Straub. Halstenbek habe ein „Defizit an Gewerbe". Angst um den Ortskern hat Straub nicht: „Das Geld könnte für die Stärkung des Ortskerns verwendet werden", sagte er. SPD-Fraktionschef Helmuth Jahnke bestätigte, dass seine Fraktion dem Konzept zustimmen werde, wenn die Verkehrsproblematik tatsächlich gelöst sei. Ob er keine Angst vor einer Schwächung des Ortskerns habe? „Nein, es handelt sich nicht um traditionelle Nahversorgung." Die Halstenbeker würden weiter in den Ortskernen einkaufen. Aus Rellingen wurde vorsichtige Kooperationsbereitschaft signalisiert: „Ich will das nicht von vornherein verurteilen", erklärte Bauamtsleiter Oliver Stolz, und fuhr fort, man werde sich „zu gegebener Zeit mit den Halstenbekern zusammensetzen und schauen, wie wir den Verkehr in den Griff bekommen". Halstenbek müsse jedoch nachweisen, „dass die Ansiedlungen notwendig" seien, so Stolz.