Kaufleute kämpfen für Ortskern
Dietmar Vogel in: Pinneberger Tageblatt vom 7. Mai 2004

Ebnen die Zukunft der Wohnmeile: Bernd Schröder (von links), Karl Schmidt („Küchen Aktuell“) und Thomas Schulenburg
Es mutet an wie ein Vergleich David gegen Goliath: die 100 Millionen Euro schwere Erweiterung des Gewerbegebiets zwischen Seemoorweg und Eidelstedter Weg und das Ortskern-Projekt Halstenbek und (Tageblatt/BZ berichtete). Hier die Grundstücksgesellschaft Halstenbek Immels, zu deren Gesellschaftern Mitglieder der Familie Greve aus Hamburg gehören, dort der Verein der Halstenbeker Fachgeschäfte (VHF).
Jetzt, da sich auch die CDU Halstenbek nach SPD und FDP für den Bau eines Verbrauchermarkts, Fachmarktzentrums, von Bürobauten und einer Seniorenresidenz in der Wohnmeile entschieden hat, gehen die Kaufleute in die Offensive. Caroline Wolfsen, VHF-Vorsitzende, bestätigte gestern auf Tageblatt/BZ-Anfrage, dass die Kaufleute die Entwicklung mit Skepsis beurteilen. Und die Stirn bieten wollen.
Erste Schritte des Protests wurden bereits schriftlich formuliert. Bürgermeister Bruno Egge sowie den Fraktionsvorsitzenden der Parteien liegt ein Brief vor, in dem besonders vor dem Bau eines „Real“-Fachmarkts (etwa 11 200 Quadratmetern) gewarnt wird. Werde dieser gebaut, „ist der Ortskern tot“, so Wolfsen.
Die Vorsitzende betont mit Nachdruck, dass die Kaufmannschaft nichts gegen den Bau eines Bürokomplexes mit 30 000 Quadratmetern Nutzfläche und einen Möbelmarkt mit 19 000 Quadratmetern Fläche einzuwenden habe. Sie würden die Ortskern-Gestaltung nicht gefährden.
Seit Anfang der 1970er Jahre wird an einem Ortskern-Konzept gearbeitet. Wolfsen unterstreicht, dass die Pläne so weit fortgeschritten seien, dass zwischen Hartkirchener Chaussee und Hauptstraße endlich ein Komplex mit Charakter entstehen könne.
Aldi-Markt, Edeka-Frischemarkt, diverse Fachgeschäfte sowie ein Cafe- und Restaurantbetrieb stehen für die Vitalisierung des Areals Pate. Verkehrsberuhigung und etwa 200 Parkplätze sind Überlegungen, die besonders für Fußgänger attraktiv sind.
Doch nach Tageblatt/BZ-Informationen macht sich, nachdem die Wohnmeilen-Pläne voraussichtlich nicht mehr zu stoppen sind, Angst breit. Zwar, so ist aus dem Dunstkreis der Kaufleute zu hören, habe niemand Interesse daran, die Ortskern-Neugestaltung aufzugeben. Doch seien die sich abzeichnenden Schwierigkeiten nicht von der Hand zu weisen. Stichwort: Auslastung der Fachmärkte an der Hauptstraße. Wie aus gut informierten Kreisen zu hören ist, wird jetzt eifrig hinter den Kulissen neu gerechnet.
Nicht mehr mit Theorie, sondern mit Tatsachen wartet seit gestern das Umfeld um Thomas Schulenburg, Besitzer des Möbelmarkts SB-Philip, auf. Die Tinte unter dem Vertrag, den Bürgermeister Egge und Karl Schmidt, Gesellschafter von „Küchen Aktuell“, unterzeichnet haben, ist trocken. Etwa 5,5 Millionen Euro investiert der Konzern, Anbieter für hochmoderne Küchen-Ensembles. Verkaufsfläche: etwa 4000 Quadratmeter, „Tummelplatz“ für 50 neue Arbeitsplätze. Schmidt zeigt sich zufrieden und weiß um die Tatkraft von Bernd Schröder (SPD), der als Landtagsmitglied die Fäden in Kiel gezogen hat.
Der „Küchen-Aktuell“-Bau wird von Beobachtern als Auftakt für die Wohnmeilenpläne verstanden. Am 25. Mai soll im Bauausschuss der Aufstellungsbeschluss gefasst werden. Baubeginn, so Schulenburg, könnte Anfang 2007 sein. Mit welchen Abstrichen, wird sich zeigen.

