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„Wir wollen wissen, was Halstenbek denkt“

Elisabeth Meyer in: Pinneberger Tageblatt vom 25. Mai 2004


1500 Flugblätter verteilten Helen Jones-Kerby (links) und Gudrun Gabriel-Schröder, Gründerinnen der Bürgerinitiative gegen das Großprojekt im Gewerbegebiet. Foto: eme

Der anfängliche Jubel vieler Kommunalpolitiker könnte bald verstummen: Unter der Überschrift „Noch ein Ei` für Halstenbek?“ macht die „Bürgerinitiative (BI) für den Erhalt der Halstenbeker Ortskerne“ gegen das geplante Großprojekt zwischen Eidelstedter Weg und Gewerbering (Tageblatt/BZ berichtete) mobil. „Unterstützen Sie uns! Stellen Sie Fragen! Äußern Sie Ihre Meinung!“ werden die Halstenbeker in einem Info-Blatt aufgefordert, während der heutigen Bauausschuss-Sitzung das 100-Millionen-Euro-Projekt, das unter anderem ein Fachmarktzentrum, ein Möbelhaus und ein Seniorenheim vorsieht, kritisch zu hinterfragen.

„Kaum einer weist auf die Risiken hin“, erklärt Gudrun Gabriel-Schröder, die die Bürgerinitiative vor drei Wochen ins Leben gerufen hat. Mehr als 70 Halstenbeker haben sich ihr mittlerweile angeschlossen - Privatpersonen, die wie sie am von den Investoren versprochenen Nutzen für die Gemeinde zweifeln. „Es gibt Nachteile für alle: Einwohner, Händler, Schulkinder, Autofahrer etc.“ heißt es in dem Schreiben an die Bürger. Die Argumente der Befürworter werden mit deutlichen Worten zurückgewiesen: Die „Verödung“ der Ortskerne sei durch den Bau eines Fachmarktzentrums vorprogrammiert.

„Die Gemeinde soll herausfinden, warum unbedingt ein solcher Markt kommen muss, und so selbstbewusst sein, das zu tun, was die Halstenbeker wollen, und nicht ihre Souveranität aufgeben“, fordert Helen Jones-Kerby von der BI.

Der Aussicht auf bis zu 1000 zusätzliche Arbeitsplätze halten die Projektgegner entgegen, dass es sich dabei lediglich um eine Verlagerung handele. „Garantiert werden kann dagegen die Vernichtung von Arbeitsplätzen im Halstenbeker Einzelhandel“, so Gabriel-Schröder. Auch die prognostizierten Gewerbesteuereinnahmen in Höhe von mindestens einer Million Euro pro Jahr stünden auf wackeligen Füßen: Die Schätzung sei zu optimistisch, da die Gewerbesteuer der Unternehmen im Ortskern entfielen und zudem die gesetzlichen Regelungen ständig geändert würden - selbst eine Abschaffung der Gewerbesteuer sei nicht ausgeschlossen.

Weiterhin kritisieren die Vertreter der Bürgerinitiative die zu erwartende Belastung angrenzender Straßen. Die „dauerhafte Lösung der Verkehrsprobleme“ in der Wohnmeile sei zudem Aufgabe der Gemeinde. „Ein Investor wird nur Verkehrsprobleme vor seiner Haustür` zu lösen versuchen“, so Gabriel-Schröder.

Heute abend werden sich die Politiker warm anziehen müssen: „Als wir die Infoblätter verteilt haben, ergaben sich sofort angeregte Diskussionen“, berichtet Gabriel-Schröder. „Das Thema berührt jeden und bedeutet eine radikale Lebensumstellung für alle Halstenbeker“, ist die Projektgegnerin überzeugt.