Stimmen zum Gewerbegebiet
Pinneberger Tageblatt vom 27. Mai 2004
BEFÜRWORTER
Obwohl seine Partei für das Konzept votiert hatte, ließ CDU-Fraktionschef Hans-DieterTews Vorsicht walten: „Ich versuche, das kritisch zu sehen", erklärte er. Entscheidend sei aber „das Wohl der Gemeinde", das Einzelinteressen überwiege. Gleichwohl versicherte Tews: „Wir haben den Bürgern aufmerksam zugehört und werden die Einwände erörtern." Er wisse, so der Fraktionschef, dass das Konzept der Raumordnung widerspreche. Er setze jedoch im Zweifel auf Heide Simonis. „Ich könnte mir vorstellen, dass die Ministerpräsidentin in Anbetracht einer 100-Millionen-Euro-Investition vor einer Wahl nicht nein dazu sagt."
Auch auf Seiten der SPD herrschte Zufriedenheit: „Jetzt ist einer gekommen, der ein Konzept vorgelegt hat", sagte Fraktionschef Helmut Jahnke, „das ist ganz in unserem Sinne." Der Investor müsse sich jedoch nach den Vorstellungen der Gemeinde richten, „wir haben schließlich die Planungshoheit". Eine erhöhte Gefahr für den Ortskern verneint Jahnke. „Würde sich im Gewerbegebiet nichts tun, wäre nicht garantiert, dass es den Kaufleuten dann besser ginge." Er hoffe vielmehr, so der SPD-Chef, „dass die Geschäftsleute jetzt aufwachen und nach verschenkten Jahren die Chance ergreifen, etwas zu ändern."
GEGNER
„Money speaks louder than words", „Geld spricht lauter als Worte", zog Helen Jones-Kerby, Mitgründerin der Bürgerinitiative (BI) für den Erhalt der Halstenbeker Ortskerne, eine ernüchternde Bilanz aus den Geschehnissen während der Ausschuss-Sitzung. Die Politiker seien „geblendet von den Versprechungen der Investoren", die Versuchung sei „zu groß". Garantiert werden könne jedoch nichts, weder ein Arbeitsplatz noch Gewerbesteuereinnahmen. Die BI wolle jedoch nicht klein beigeben und weiter Einfluss auf die Politiker ausüben: „Ich denke, dass wir dabei auf eine gesunde Basis bauen können." Das größte Problem sei die „Hilflosigkeit der Bürger", befand Birgit Andersek, Grünen-Vertreterin im Bauauschuss. An der Seite von Andre Mettlach hatte sie gegen den Aufstellungsbeschluss gekämpft. Der massive Protest gegen die Pläne zeige, wie erschüttert das Vertrauen in die Arbeit der gewählten Volksvertreter sei. „So funktioniert Kommunalpolitik nicht mehr", sagte sie. Pragmatisch äußerte sich Andersek zur weiteren Entwicklung: „Jetzt wird die Landesplanung ihre Glaubwürdigkeit unter Beweis stellen müssen", sagte sie mit Bezug auf die Entscheidung aus Kiel vor mehreren Jahren, einen Famila-Markt im Halstenbeker Gewerbegebiet abzulehnen.

