Politiker segnen Erweiterung der Wohnmeile ab
Halstenbek: Anwohner protestierten gegen das geplante 100 Millionen Euro-Projekt.
Arne Kolarczyk in: Pinneberger Zeitung vom 23. Juni 2004
90 Minuten hatten die Bürger während des Halstenbeker Gemeinderates das Wort. Ihr Thema: die geplante Erweiterung der Wohnmeile um fast 14 Hektar. Die Redebeiträge zeigten eines: Wenn es um das 100 Millionen Euro teure Vorhaben des Hamburger Investors Greve geht, ist die Bevölkerung des Ortes gespalten. Sowohl Gegner als auch Befürworter sind überzeugt, die Mehrheit zu stellen.
Die Mehrheit der Kommunalpolitiker stellte sich hinter das Projekt - nur die Grünen nicht. Mit den Stimmen von CDU, SPD und FDP wurde der Aufstellungsbeschluss für den B-Plan 62 (Wohnmeile) beschlossen. Als nächste Schritte sind mit dem Investor ein städtebaulicher Vertrag zu schließen und ein Verkehrsgutachten zu erstellen. Im eigentlichen B-Plan-Verfahren können sich die Bürger nochmals zu Wort melden.
"Das ist für Halstenbek ein wichtiger und richtiger Weg", so der CDU-Fraktionsvorsitzende Hans-Dieter Tews. Er hob wie andere Redner hervor, dass die Wohnmeilen-Expansion das Gewerbesteueraufkommen steigert - die Rede ist von einem Betrag zwischen einer und zwei Millionen Euro -, Arbeitsplätze in den Ort holt - in zwei Stufen 1800 Jobs -, und die Verkehrsprobleme im Bereich Lübzer Straße/Gärtnerstraße löst.
"Wir dürfen uns nicht einem Investor ausliefern", warnte Ines Strehlau (Grüne). Sie glaube, dass die Nahversorgung in den beiden Ortskernen durch das Großprojekt gefährdet sei. Geplant sind ein Fachmarktzentrum (Real-Verbrauchermarkt) mit 11 500 Quadratmetern Verkaufsfläche, ein Möbelhaus mit 19 000 Quadratmetern, Büroflächen auf 30 000 Quadratmetern sowie eine noble Seniorenresidenz. "Sie wissen doch, dass sie neben einem Gewerbegebiet wohnen", hielt SPD-Fraktionschef Helmuth Jahnke den protestierenden Anwohnern vor. Sie sollten froh sein, "dass da eine Seniorenresidenz und kein Recyclingbetrieb hinkommt".
Halstenbek wird seinen Status als Gemeinde im Grünen verlieren - so argumentierten die Bürger. Sie beschworen ein düsteres Szenario herauf, sprachen von leer stehenden Büroflächen, verödeten Ortskernen ohne Geschäfte, geschönten Zahlen zu Gewerbesteuern, 23 Meter hohen "Betonsilos" und einer Million Fahrzeugen im Jahr, die den Ort mit Dreck und Abgasen überziehen. "Wir müssen lernen, uns durchzusetzen. Gegen Spekulanten und gegen diese Politiker, die ihre Fähigkeiten, ein Projekt zu planen, schon beim Knick-Ei bewiesen haben", so ein Bürger.
"Sie sollten sich nicht beeindrucken lassen von einer nicht allzu großen Gruppe", so Ralph Knist, Vertreter der Investoren. Er wies die Vorwürfe der Gegner als falsch zurück und versprach, sich an der Erschließung und der neuen Verkehrsführung zu beteiligen. Wie die aussieht, ließ SB-Philip-Chef Thomas Schulenburg als "Greves-Wegbereiter" an die Wand projizieren: die Gärtnerstraße als Einbahnstraße, der Verkehrsabfluss über Immels, Gewerbering und den ausgebauten Seemoorweg zur Autobahn.

