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Wohnmeile: Der Widerstand formiert sich

Bürger machen Front gegen die Erweiterung

Rainer Burmeister in: Pinneberger Zeitung vom 11. September 2004

Der Widerstand gegen die geplante gigantische Erweiterung des Halstenbeker Wohnmeilenareals um 100 000 Quadratmeter formiert sich: Mit Unterschriftensammlungen, dem Verteilen von Informationsblättern und der Ausnutzung aller planungsrechtlichen und juristischen Mittel wollen Bürger und Interessengruppen gegen das 100 Millionen Euro teure Bauvorhaben des Hamburger Investors Greve zu Felde ziehen. Auf Einladung der "Bürgerinitiative zur Erhaltung der Halstenbeker Ortskerne" steckten die Gegner des von CDU, SPD und FDP unterstützten Großprojekts den Kurs ab.

Erstes Ziel der Bürgerinitiative ist am 23. September das Innenministerium. Dort gibt es einen Gesprächstermin mit Vertretern der Landesplanung. Die Halstenbeker wollen den Kieler Planungsstrategen deutlich machen, dass vor allem der Bau eines Fachmarktzentrums mit 11 500 Quadratmetern Verkaufsfläche für den örtlichen Einzelhandel das Aus bedeuten würde. Doch es geht nicht allein um Halstenbek. Elmshorns Bürgermeisterin Brigitte Frontzek, die als Gast an der Versammlung in der Grundschule Bickbargen teilnahm, sieht Auswirkungen für die ganze Region: "Diese Planung passt in der Größenordnung nicht zu Halstenbek", stellte Frontzek fest. Allein für die Halstenbeker Einwohner könne ein solches Zentrum wohl nicht vorgesehen sein.

Verhalten optimistisch stimmt Frontzek und die Vertreter der Bürgerinitiative ein Zwischenbescheid aus dem Innenministerium. Darin wird angesichts der geplanten Einzelhandelseinrichtungen (neben dem Fachmarktzentrum weitere 19.000 Quadratmeter Verkaufsfläche für Möbelhandel) ein Verstoß gegen die Ziele der Raumordnung festgestellt. Auch die Landesplaner sehen eine Gefährdung der Nahversorgung im Ortskern und der benachbarten Region. Die Planung verstoße gegen das Beeinträchtigungsverbot, da die Versorgungsbereiche der Kommunen wie Pinneberg, Schenefeld, Uetersen, Tornesch und Rellingen beeinträchtigt würden.

Deshalb verlangt Kiel zur Freude der Planungsgegner von Halstenbek eine Analyse über die Auswirkungen des Vorhabens auf die Einzelhandelsstrukturen, ein Verkehrsgutachten für die Gemeinde und die "Plausibilisierung der Verträglichkeit" des Büroflächenangebots.

Dennoch hat die Zuversicht der Bürgerinitiative Grenzen. Zweifel an der Objektivität von Gutachtern, die von den Investoren bezahlt werden, wurden ebenso laut, wie die Befürchtung, dass die Landesplanung vor allem nach einem möglichen Regierungswechsel ein Abweichen von den Zielen der Raumordnung per Ausnahmeverfahren genehmigen könnte.

Die Bürgerinitiative will jetzt zunächst den Kampf gegen das Fachmarktzentrum in den Mittelpunkt ihrer Bemühungen stellen. Für kommende Auseinandersetzungen wurden bereits erste Geldspenden zugesagt. Außerdem wollen sich die Krupunderaner Einzelhändler zusammenschließen. Auch spektakuläre Aktionen sind nicht auszuschließen. Ein Mitglied der Bürgerinitiative regte einen Protestzug durch die Wohnmeile zum ersten Adventssonnabend an.