Wohnmeile: Bürger wollen mitreden
Dietmar Vogel in: Pinneberger Tageblatt vom 17. Dezember 2004
Das Zittern nimmt kein Ende. Besonders das Frauen-Trio Gudrun Gabriel-Schröder, Helen Jones-Kerby und Gudrun Hautmann aus Halstenbek scheut keine Tortur. Doch es sind nicht die Unbillen des Winters, denen sich die Mitglieder der Bürgerinitiative (BI) „Erhalt der Halstenbeker Ortskerne“ zurzeit stellen. Es ist die Angst davor, dass durch die mögliche Erweiterung des Gewerbegebiets um eine Verkaufsfläche von etwa 77 000 Quadratmeter der Charakter der Kommune zerstört wird.
Doch mit einer Unterschriftenaktion, die laut Gabriel-Schröder bis zum 15. Januar dauern wird, „soll ein Meinungsbild der Halstenbeker Bürger erstellt werden“. Und das Zittern unter Kontrolle gebracht werden. Die BI greift zu dem „letzten Strohhalm“, weil laut Kommunalaufsicht ein Bürgerbegehren wie beim umstrittenen „Knick-Ei“ nicht möglich ist. Denn weil die Verhandlungen über das Projekt durch den Beschluss der Gemeindevertretung am 21. Juni forciert werden sollen, ahnen die BI-Mitglieder nichts Gutes.
Zur Erinnerung: Vorgesehen sind ein Einkaufs-/Fachmarktzentrum mit Verbrauchermarkt (etwa 11 000 Quadratmeter), ein Bürogebäude mit etwa 30 000 Quadratmetern Fläche/bis zu 23 Meter hoch, ein 18 Meter hohes Möbelhaus auf etwa 19 000 Quadratmetern Fläche sowie eine 23 Meter hohe Seniorenresidenz.
Kämpferisch zeigte sich die BI bereits Anfang November. Mit einer Postwurfsendung sollte auf die möglichen Folgen dieser Wohnmeilen-Erweiterung aufmerksam gemacht werden. Die Rede war von der Bedrohung der Einzelhändler, der Verödung der Ortskerne, Verschlechterung der Wohnqualität. Unterm Strich würde die Lebensqualität erheblich leiden müssen.
Auf das Info-Blatt folgt jetzt die Unterschriften-Aktion, von der sich Gabriel-Schröder 2000 Signaturen erhofft. Die Listen liegen in Halstenbek in der Buchhandlung Cremer, in der Blume im Dorf sowie bei den Schlachtereien Theegen und Gahde aus. Wer am Krupunder Platz einkauft, kann sich beim Spar-Markt, beim Bürobedarf Madadi, in der See-Apotheke sowie im Blumenladen Hesse eintragen. 30 Helfer sammeln im privaten Umfeld.
Die Liste will die BI im Januar Bürgermeister Bruno Egge überreichen sowie eine Kopie ans Kieler Innenministerium schicken. Es sei auch eine Aktion, die demokratisches Verständnis in Erinnerung rufen solle, so die BI. Denn bisher seien die Planungen stets nicht öffentlich gewesen.
Das Zittern nimmt kein Ende. Warm einpacken wollen sich die Aktivisten, wenn sie im Januar noch auf Wochenmärkten sowie an Bahnhöfen aktiv werden wollen.

