Halstenbek: 1400 Unterschriften gegen Greve-Projekt
Bürgerinitiative will die großflächige Erweiterung der Wohnmeile verhindern.
Arne Kolarczyk in: Pinneberger Zeitung vom 21. Februar 2005
Fast sieben Wochen waren die Mitglieder zweier Halstenbeker Bürgerinitiativen auf Stimmenfang. Das Ergebnis ist beachtlich: 1397 Bürger, davon 1281 Halstenbeker und 116 Personen, die regelmäßig in der Großgemeinde einkaufen, wenden sich gegen die großflächige Erweiterung der Wohnmeile. Das Millionenprojekt des Hamburger Investors Greve sieht unter anderem ein Fachmarktzentrum, eine Seniorenresidenz sowie Bürogebäude vor.
Das Ergebnis der Befragung wurde inzwischen Ministerpräsidentin Heide Simonis, dem Finanz-, Umwelt- und Wirtschaftsministerium sowie Bürgermeister Bruno Egge zugeleitet. Die Unterschriftenlisten lagen jeweils in fünf Geschäften in Halstenbek und im Ortsteil Krupunder aus, außerdem haben 20 BI-Mitglieder Freunde sowie Leute aus der Nachbarschaft aktiviert.
"Die Mehrzahl der Unterschriften stammt von Familien mit Kindern oder älteren Personen, die auch künftig zu Fuß oder per Rad die Einkaufsstätten erreichen möchten", so Gudrun Gabriel-Schröder von der BI für den Erhalt der Halstenbeker Ortskerne. Ihre Organisation hatte gemeinsam mit der BI zur Erhaltung des Naherholungsbiets Krupunder gegen das Greve-Projekt getrommelt, weil sie bei dessen Realisierung eine Verödung der Ortskerne befürchten. Außerdem wird moniert, daß der Gewerbegebietserweiterung die "grüne Lunge", die Wohnmeile und das angrenzende Wohn- und Naherholungsgebiet trennt, zum Opfer fallen würde.
Die Befragungen hätten ergeben, daß insbesondere Eltern mit Kleinkindern die jetzigen Einkaufsmöglichkeiten bevorzugen, da sie den Einkauf im Großmarkt mit Kindern als "zeitraubend und nervig" empfinden. Viele Pendler, die in Krupunder aussteigen, suchen direkt die dortigen Geschäfte auf. Gabriel-Schröder: "Sie wollen nicht erst ins Auto steigen, um ein entferntes Fachmarktzentrum zu erreichen." Hinzu komme, daß viele die Verkehrssituation in der Wohnmeile bereits jetzt als chaotisch einschätzen - ganz besonders am Wochenende. "Die möchten dort ihre Einkäufe nicht erledigen."
Die Initiatoren verschweigen nicht, daß es auch Personen gab, die nicht unterschreiben wollten. Ein Hauptgrund: die Verdrossenheit über die Gemeindepolitik, die Bürgerwünsche sowieso ignoriere. Andere bemängelten, daß bei der Ortskernplanung 20 Jahre nichts passiert sei und endlich bessere Einkaufsmöglichkeiten her müssen - notfalls auch auf der grünen Wiese.
Auch die abgespeckte Version des Greve-Projektes, die zuletzt ins Spiel gebracht wurde, lehnen die BI-Mitglieder ab, weil auch dann Verkehrsprobleme und negative Auswirkungen auf den Einzelhandel in den Ortskernen bleiben. Die Initiatoren fordern die Landesplanung auf: "Geben Sie der weiteren Ortskernentwicklung eine Chance, in dem das Greve-Fachmarktzentrum abgelegt wird!" Sie verweisen darauf, daß die Landesplanung erst 2002 einen 5000 Quadratmeter großen Famila-Markt in Halstenbek abgelehnt hatte. Sollten Landesplanung und Politiker anderes entscheiden, wollen die Bürgerinitiativen alle möglichen Mittel anwenden. Gabriel-Schröder: "Denkbar sind Klagen oder auch ein Bürgerbegehren."

