„Sonst baue ich eben in Halstenbek!“
Zweiter Teil des Interviews mit Höffner-Chef Krieger
Eidelstedter Anzeiger vom 1. August 2007

Kurt Krieger redet gern Tacheles. Foto: Kühlich

So sieht die gegenwärtige Planung für die Höffner-Ansiedlung aus - es wurden immer wieder neue Änderungen eingefügt. Foto: Kühlich
Seine Ansiedlung liegt Höffner-Chef Krieger inzwischen schwer auf dem Magen - sehr lange schon zieht sich die Geschichte des Projekts hin. Mit leiser Stimme erzählt der 59-jährige, der noch 20 Jahre arbeiten möchte: „Wir haben 1994 das erste Mal an die Staatskanzlei geschrieben. Seitdem haben wir sicherlich mehr als 20 Grundstücke vorgeschlagen. Am Schluss hat die Stadt uns das Grundstück bei Saggau vorgegeben."
Die lange Dauer des Verfahrens habe daran gelegen, dass im vergangen Jahr immer wieder auf Veranlassung von Oberbaudirektor Walter neue Veränderungen der Architektur des Gebäudes vorgegeben worden seien: „Es war ständig etwas zu ändern - unter anderem musste die Rückseite rund sein, um die Rundung der Autobahn aufzunehmen. “Auf die vielen Architekturveränderungen durch Walter kommt Krieger immer wieder zurück, das Verfahren ist ihm offenbar nachhaltig im Gedächtnis. Professor Walter sei schon ein bisschen skurril.
„Wir sind keine Konkurrenz für die Eidelstedter Geschäfte“
Die Angst um den mittelständischen Handel vor Ort kann Krieger überhaupt nicht nachvollziehen. „Der Vorwurf, wir machen den mittelständischen Handel kaputt, ist einfach ein gesuchtes Argument, um uns das Projekt zu vermiesen. Im Eidelstedt Center gibt es keinen Laden, der ein ähnliches Sortiment hat wie wir. Jeder Kunde, den wir von fernab hierher holen, erhöht die Wahrscheinlichkeit, hier bessere Geschäfte zu machen.“ Die mittleren und großen Fachgeschäfte für Einrichtungswaren wie Gardinen oder Lampen, für die Möbelmärkte eine Konkurrenz sein könnten, hätten sich selbst vom Markt genommen. Jetzt finde man die Sortimente in Baumärkten und in Möbelhäusern, die heute über die großen Flächen verfügten.
Wäre nicht eine andere Fläche für die Ansiedlung geeigneter? Der Volkspark wird von den Kritikern immer wieder als viel passender vorgebracht. Krieger winkt ab: „Den Volkspark habe ich schon zweimal überplant.
„Der Volkspark ist keine Alternative"
Das ging nie. Eines der Argumente war, wenn am Sonnabend Fußball gespielt wird, gibt es immer eine Zeit, wo sich alle gegenseitig auf die Nerven gehen. Der Samstag ist ja unser Haupttag - dann verkaufen wir doppelt so viel wie im Durchschnitt der Woche."
Immer wieder bezweifeln die Kritiker auch, dass die Gewerbesteuereinnahmen Humbug seien, durch Tricksereien gar nicht zustande kämen. Als Beispiel dafür, dass das nicht stimme, nennt Krieger Ikea. Das Unternehmen zahle immer mehr als eine Million Euro Gewerbesteuer in Hamburg. Anders als Ikea versteuere Möbel Höffner als nationales Unternehmen grundsätzlich in Deutschland. Es werde Höffner-Eidelstedt als eigene Gesellschaft geben - genauso wie an den anderen Standorten. Krieger: „Es wird immer gesagt, na ja die Abschreibungen - aber die gibt es gar nicht, es ist eine einfache Betriebsgesellschaft, die mit dem Bauen nichts zu tun hat, was die hier gewinnen, dafür zahlen sie Steuern - Bums, aus, Feierabend."
Hinter dem Widerstand, auf den er bei seinem Eidelstedt-Projekt trifft, vermutet Krieger nicht zuletzt die Mitbewerber. Die verschiedenen Konkurrenten seien hier sehr rege: „Ich will niemand etwas vorwerfen - aber ein Konkurrent, der in einer solchen Situation keine Bürgerinitiative ins Leben ruft, macht etwas falsch." Der Widerstand der neun CDU-Rebellen in der Bürgerschaft nervt den Höffner-Chef offenbar: „Wir hatten hier sehr viel Aufwand - es hat sich alles sehr lange hingezogen. Und dann folgen die eigenen Leute der Senatspartei nicht: Das will in meinen Kopf nicht so richtig rein." Auch die Idee der lokalen CDU-Politiker, auf dem Areal für die Höffner-Ansiedlung einen Sportplatz zu errichten, ist für Krieger ein Ärgernis: „Wo wollen die denn da einen Sportplatz unterbringen? Das würde das Projekt kaputt machen. Wir würden da nicht bauen, so einen Blödsinn machen wir nicht."
„Die Stadt müsste mit dem Klingelbeutel gepudert sein"
Was passiert, wenn das Projekt doch nichts wird? Das ist eine Option, die Krieger nicht vom Tisch wischt: „Wenn wir hier nicht zu Potte kommen, dann muss die Stadt mit dem Klingelbeutel gepudert sein. Sie würde einen großen Fehler machen. Sie erhöht mit uns ihre Zentralität, kriegt Gewerbesteuer, kriegt Arbeitsplätze, und die Abrundung ihres Angebots. Wenn es nichts wird, dann baue ich eben zum Beispiel in Halstenbek."
Man sagt dem Höffner-Chef nach, eher wie ein Studienrat als wie ein Unternehmer zu wirken - die Zerstreutheit dafür hat er jedenfalls. Kaum 20 Minuten nach seinem Abschied steht ein vom Regen durchnässter Krieger wieder in der Tür des Eidelstedter Anzeigers - er hatte seinen Handordner über seine Aktivitäten in Eidelstedt vergessen.

