Seitenanfang

Aktiver Navigationseintrag - hier Startseite

Sprungmarken


Hauptnavigation






Hauptinhaltsbereich

Klammes Halstenbek wartet auf Greve

Diskussionen in Halstenbeker Einwohnerversammlung

Eidelstedter Anzeiger vom 3. Juni 2009

Für Halstenbek steht bei dem großen Zukunftsprojekt des vom Hamburger Investors Helmut Greve geplanten Gewerbeparks an der Möbelmeile - unter anderem mit Möbel-, Fach- und Lebensmittelmärkten, Büroflächen sowie einer Seniorenwohnanlage - viel auf dem Spiel: "Für eine Gemeinde unserer Größe haben wir bislang einen relativ geringen Prozentsatz an Gewerbesteuern und eine unterdurchschnittliche Finanzkraft", erklärte Bürgermeisterin Linda Hoß-Rickmann auf der Halstenbeker Einwohnerversammlung.


Neben Möbel Philipps und Küchen Aktuell, wo heute noch Wiesen und Bäume die Landschaft bestimmen, soll in Zukunft eine Erweiterung des Gewerbeparks entstehen. Links: Bürgermeisterin Linda Hoß-Rickmann diskutierte zusammen mit Politikern aus der Gemeindevertretung mit den Bürgern über aktuelle Themen Halstenbeks. Fotos: Crull (groß) / Kühlich (klein)

Die Einnahmen der 16.500 Einwohner-Gemeinde betragen 8 Millionen Euro aus der Einkommenssteuer, 2,7 Millionen Euro aus der Gewerbesteuer und 2,1 Millionen Euro aus der Grundsteuer-B.

Halstenbek leidet immer noch unter der Fehlinvestition in das „Knickei", die inzwischen durch einen vollkommenen Neubau ersetzte, zweimal eingestürzte Sporthalle in der Feldstraße. Sechs Millionen Euro sind so in den Sand gesetzt worden - und maßgeblich für den Schuldenberg verantwortlich. Inzwischen hat die Gemeinde bei einem Haushalt von 19 Millionen Euro 5,1 Millionen Euro Schulden. Die Bürgermeisterin tritt für eine Anhebung der Steuersätze bei der Grundsteuer B (um 30 auf 330 Prozent) und bei der Gewerbesteuer (um 20 auf 350 Prozent) ein. Angesichts der gerade erfolgten Grundsteueranhebung erhielt sie dafür von Bürgern heftige Kritik.

Dringender Investitionsbedarf

Allerdings ist die Gemeinde nach dem Knickei-Ausgabendesaster in der Klemme. Es stehen schon wieder große Investitionen an - im wichtigen Bereich der Betreuung und Ausbildung von Kindern. Hoß-Rickmann geht von einer Summe von 24 bis 30 Millionen Euro aus. Ganz vorne an steht das Wolfgang Borchert-Gymnasium, das dringend saniert oder neu gebaut werden muss. Das in den 70er-Jahren errichtete Gebäude ist nicht nur eine „Energieschleuder" — hier wurde auch Asbest gefunden. Nach dem Fund hat die Gemeinde drei Jahre Zeit, um zu handeln. Jetzt diskutieren die Halstenbeker, ob eine Sanierung zu 70 Prozent der Neubaukosten sinnvoller ist als ein kompletter Neubau. Auch die Grundschulen Nord und Süd müssen saniert werden. Es wird über eine Zusammenlegung der Schulen mit der Grund- und Gemeinschaftsschule in der Feldstraße und über einen großen Neubau dort debattiert.

Kinderbetreuung

Besonders heiß diskutierten die Halstenbeker Bürger die Situation der Kinderbetreuung, die von den Einwohnern mit Begriffen wie „Krimi" und „Lotto" beschrieben wurde. Es hagelte Kritik von Müttern, dass es nicht genug Betreuungsplätze gehe. Die Bürgermeisterin räumte ein, dass die Gemeinde von der Zahl der Anmeldungen bei sinkenden Geburten überrascht worden sei: „Bislang war es ausreichend, für 80 Prozent der Kinder Kitaplätze vorzuhalten. Jetzt müssen wir für alle Kinder Plätze zur Verfügung stellen." Es sei aber unverantwortlich, angesichts der Finanzen und schwankender Geburtenzahlen unüberlegt neue Kitaangebote zu schaffen. Eine Erweiterung ist aber fest eingeplant: Für vier Millionen Euro will die Gemeinde bis 2013 einen Neubau der Kita „Regenbogen" errichten - ihre dritte große Investitionsplanung. Bis 2013 sollen die derzeit fehlenden 70 Krippenplätze geschaffen werden.

Verkehrsgutachten

Viel Neues konnte die Bürgermeisterin über die Greve-Ansiedlung, die bereits 2004 auf den Weg gebracht worden war, noch nicht vermelden. Auf die daraus erhofften massiven Gewerbeeinnahmen wird die Gemeinde wohl noch warten müssen: „Wir sind hier noch ganz am Anfang", stellte Birgit Anderseck von den Grünen klar - eine Einschätzung, die auch Bauamtsleiter Holger Lange teilt: „Planungsrechtlich ist das Grundstück derzeit einfach noch ein nicht bebaubarer Acker. In der Abarbeitung der Schritte des Bebauungsplanverfahrens sind wir in der Tat erst am Anfang." Jetzt wird zunächst einmal das neue „sehnlichst erwartete" (Bürgervorsteher Otto Sajitz) Verkehrsgutachten in der Bauausschusssitzung vom 16. Juni vorgestellt. Die Bürgermeisterin unterstrich, dass die Verkehrsbewältigung für die Ansiedlung eine zentrale Rolle spiele; 7.600 zusätzliche Fahrten pro Tag seien erwartet. Es bestehe aber die Hoffnung, dass der nötige Ausbau der Verkehrsinfrastruktur für das inzwi­schen deutlich verkleinerte Vorhaben eher kleiner ausfällt.