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Die Wohnmeile an der A 23 wird doch erweitert

Baubeginn hat sich wegen des ausstehenden Verkehrsgutachtens verzögert. Fachmarktzentrum wird als erstes Projekt realisiert

Rainer Burmeister, in: Pinneberger Zeitung vom 31. Juli 2010


Ein Modellbau der Grünen zeigt, wie sich die Bauten auf das Erweiterungsgebiet der Halstenbeker Wohnmeile verteilen könnten.
Foto: Rainer Burmeister

Rund eine Million Quadratmeter leer stehender Büroflächen in Hamburg. Und im nächsten Sommer eröffnet Möbel-Riese Höffner mit knapp 40 000 Quadratmeter Verkaufsfläche sein Kaufhaus in Eidelstedt - direkt vor den Toren Halstenbeks. Wird wegen dieser Konkurrenz die Erweiterung von Wohnmeile und Gewerbegebiet in der Baumschulgemeinde auf die lange Bank geschoben? Das sogenannte Greve-Projekt, zu dem unter anderem ebenfalls Bürobauten und ein Möbelhaus gehören, kommt nicht in Gang. Eigentlich hätte schon vor zwei Jahren mit der Errichtung eines Fachmarktzentrums der Startschuss fallen sollen. Doch stattdessen wachsen weiterhin Gras und Baumschulprodukte auf den ungenutzten Erweiterungsflächen.

Hat der Investor etwa kalte Füße bekommen? Das weist Ralph Knist von Greves Alster-City-Verwaltungsgesellschaft, die das Vorhaben betreut, ebenso wie Halstenbeks Bauamtschef Holger Lange zurück. Übereinstimmend führen beide die Verzögerungen auf die langwierige Verkehrsuntersuchung zurück. Unter anderem wegen der Bauarbeiten auf der A 23 (die Fahrbahnen wurden mit Flüsterasphalt ausgestattet) hätten die Verkehrszählungen nicht rechtzeitig erstellt werden können. Knist weist Spekulationen wegen der Konkurrenzsituation zurück: Das geplante Möbelhaus mit 16 000 Quadratmetern Verkaufsfläche sei in Größe und Sortiment nicht mit Höffner zu vergleichen. Die Bürobauten (Gesamtfläche 34 000 Quadratmeter verteilt auf mehrere maximal sechsgeschossige Gebäude) würden sukzessive verwirklicht. Standortvorteile gegenüber Hamburg sieht Knist unter anderem in Halstenbeks geringeren Gewerbesteuerhebesätzen, der An- und Abfahrt gegen den Hauptfahrstrom sowie in den guten Verkehrsanbindungen.

Erstes Bauvorhaben nach Abschluss der noch laufenden Verhandlungen mit der Kommune und dem Kreis Pinneberg wegen der Verkehrsanbindungen soll die Errichtung des Fachmarktzentrums sein. "Der Betrieb könnte im Herbst nächsten Jahres aufgenommen werden", sagt Knist. Nach seinen Worten gibt es Kontakt zu drei Mietinteressenten. Der Bau einer Seniorenresidenz werde nicht erst als letztes Bauvorhaben verwirklich. Dies sei abhängig von der Gesamtsituation auf diesem Sektor. Knist spricht von einer Betriebsgesellschaft, "die unserem Unternehmen nicht fern ist". Insgesamt dürfte mit den Bauvorhaben im Erweiterungsgebiet die Position der Wohnmeile gestärkt werden, erwartet der Greve-Vertreter.

Bei den Verhandlungen über die Umsetzung der Verkehrsuntersuchung und die Kostenbeteiligung ist nach Worten von Bauamtschef Lange der Kreis Pinneberg federführend für die weiteren Beteiligten von Gemeinde, Land und Bund tätig. Unter anderem geht es - wie berichtet - um den Ausbau der Doppelkreuzung im Bereich der Autobahnanschlussstelle Krupunder, die Verlängerung des Gewerberings mit Anbindung zur Gärtnerstraße. Von den Gesamtkosten in Höhe von zwei Millionen Euro würden 1,6 Millionen Euro der Investor und der Kreis etwa je zur Hälfte tragen. Die Restsumme teilten sich Bund und Gemeinde.


Der Verkehrsknotenpunkt Gärtnerstraße/A 23 muss ausgebaut werden.

Der Ausbau des Seemoorwegs soll zu 60 Prozent vom Investor und 40 Prozent von der Gemeinde finanziert werden. An den Erschließungskosten, von denen Halstenbek zehn Prozent trage, würden auch die künftigen Nutzer beteiligt. Lange weist allerdings darauf hin, dass auch bereits ansässige Unternehmen der Wohnmeile wegen positiver Effekte des Ausbaus zur Kasse gebeten werden dürften.

Im April 2007 hatte der damalige Innenminister Ralf Stegner (SPD) im Halstenbeker Rathaus im Beisein von Investor Helmut Greve grünes Licht für das Bauvorhaben gegeben. Das von CDU, SPD und FDP unterstützte Projekt soll Halstenbek vor allem Gewerbesteuereinnahmen bringen und Arbeitsplätze schaffen. Die Grünen sind gegen das Vorhaben: Bauausschussvorsitzende Birgit Andersek beklagt unter anderem die mangelnde Abstimmung mit dem Umland und die zu hohen Verkehrsbelastungen.

Daten und Fakten

Das Greve-Projekt: Auf einer Fläche von 14 Hektar sollen auf knapp 23 000 Quadratmeter Verkaufsfläche ein Verbrauchermarkt, Möbel- und Einrichtungshäuser sowie ein Drogeriemarkt entstehen. Außerdem gibt es Platz für 34 000 Quadratmeter Büroflächen sowie eine Seniorenresidenz auf 22 000 Quadratmetern. Die Nutzfläche insgesamt: fast 80 000 Quadratmeter.

Rund 100 Millionen Euro werden investiert. Etwa tausend neue Arbeitsplätze sollen entstehen. Die Verkehrszunahme wird von Gutachtern mit 15 600 Fahrzeugen täglich beziffert. Dafür ist umfangreicher Straßen- und Kreuzungsausbau erforderlich.