Künftig Bündnisse je nach Thema
Den Direktsieg in ihrem Wahlbezirk brachte der Grünen Gudrun Gabriel-Schröder Lob von Bundespolitiker Rainder Steenblock ein. Am 23. Juni trifft sich der Gemeinderat zu seiner konstituierenden Sitzung.
Von Dietmar Vogel, in: Pinneberger Tageblatt vom 27. Mai 2008

Die SPD-Politiker Nicolai Overbeck (links) und Helmuth Jahnke wurden für den Kreistag wiedergewählt. Fotos (3): Vogel

Otto Sajitz: "Die Anzeige gegen die CDU könnte ein Grund sein für die Verluste."

Helmuth Ahrens (CDU) gratulierte Birgit Andersek (Grüne) für den Stimmenzuwachs.
Starr. Einseitig. Die Grünen-Politikerin Ines Strehlau atmet durch. Die Zeiten, in denen Halstenbeks Christdemokraten als Mehrheitsfraktion mehr oder weniger schalten und walten konnte, dürften mit dem Ergebnis der Kommunalwahl vorbei sein. "Nur" 19,8 Prozent im Jahr 2003, doch seit Sonntag ist die Alternativ-Partei mit 27,5 Prozent und zehn Mandaten zweitstärkste Fraktion in der Gemeindevertretung.
Zugegeben: Der Verlust der Union (von 47,3 auf 35,2 Prozent) darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Partei 14 von 15 Direktmandate erobern konnte. Mit der Grünen Gudrun Gabriel-Schröder, die ihren Wahlbezirk 4 als einzige gewinnen könnte, hat die Partei dagegen einen neuen Star in ihren Reihen.
Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Die Vorsitzende der "Bürgerinitiative für den Erhalt der Halstenbeker Ortskerne" hat laut Strehlau mit ihrer engagierten Art die Menschen mobilisiert. Die Diskussion darüber, inwieweit der Hamburger Investor Greve sich im Bereich der Wohnmeile ausbreiten könnte, traf wohl den Nerv der Menschen. Strehlau: "Jetzt besteht die Chance, dass wir eine Lösung finden werden, die für alle Beteiligten verträglich ist."
Die vermeintlich Großen - CDU und SPD - wurden landesweit abgestraft. Doch von Kater-Stimmung ist bei den Halstenbeker Christdemokraten nichts zu spüren. Gemeindevertreter Helmuth Ahrens strahlte im Rathaus an der Gustavstraße Gelassenheit aus: "Ich bin zufrieden, dass ich mein Direktmandat im Wahlbezirk 8 gewonnen habe."
Das Wort "Abstrafung" im Zusammenhang mit der Anzeige wegen einer möglichen Erpressung eines Bauinvestors aus Rellingen gegen fünf Christdemokraten will der Kommunalpolitiker nicht in den Mund nehmen. Zur Erinnerung: Fraktionschef Steven Wrage ist parallel zu laufenden Ermittlungen seitens der Staatsanwaltschaft Itzehoe über die Affäre bereits gestürzt. Ahrens dreht vielmehr den Spieß um: Abgestraft sei die SPD, die mit persönlichen Attacken gegen die Union vorgegangen sei. Ahrens spricht von einem "schwierigen Umfeld", in dem die CDU trotzdem ein gutes Ergebnis vorweisen könne.
Ein Lächeln musste sich SPD-Fraktionschef Helmuth Jahnke abringen. Ein Zugewinn von zwei Mandaten, eine Steigerung von 23,9 auf 24,5Prozent - überschäumende Freude kam im Angesicht dieses Zahlengemenges nicht gerade auf. "Die niedrige Wahlbeteiligung von 44,9 Prozent hat den kleinen Parteien genutzt", so Jahnke. Die Menschen seien in Sachen Große Koalition sehr unzufrieden- Sie wollen eine "neue Offenheit". Dann huschte bei Jahnke doch noch ein mildes Lächeln über sein Gesicht: "Die Blockade-Mehrheit der CDU ist dahin", so der Genosse. Die Mehrheiten würden sich jetzt - je nach Thema - finden.
Außer Herwart Straub und Ingrid Vater wollen künftig mit Volker Dannhauer und Rainer Urban vier FDP-Politiker in der Gemeindevertretung ein Wörtchen mitreden. "Das Ergebnis ist mehr als wir erwartet haben", so Straub in einer ersten Stellungnahme.

