Die bittere Rache für Rebenther
Das Comeback hat sich Birgit Andersek anders vorstellt. Weil ihre Partei, die Grünen, dafür sorgte, dass Hans- Jürgen Rebenther (CDU) demontiert wurde, gab's eine Retourkutsche: Ander sek wurde lediglich zur stellvertretenden Chefin des Bauausschusses gewählt.
Von Dietmar Vogel, in: Pinneberger Tageblatt vom 25. Juni 2008

Die neu gewählte, nicht ganz vollständige Gemeindevertretung von Halstenbek setzte beim Gruppenbild noch auf Harmonie.
Fotos (3): Vogel

Im Fokus: Birgit Andersek (Grüne, links) wurde abgestraft. Kirsten Sajitz (CDU) dagegen bündelt künftig als CDU-Partei- und -Fraktionschefin sowie als Hauptausschuss-Chefin Macht.

Rudelbildung: Herwart Straub (FDP) berät sich vor der geheimen Abstimmung mit Hans-Jürgen Rebenther (vorn, von links), Otto und Kirsten Sajitz von der CDU-Fraktion.
Die konstituierende Sitzung der Gemeindevertretung von Halstenbek hatte einen harmonischen Auftakt: Mit der einstimmigen Wiederwahl von Bürgervorsteher Otto Sajitz (CDU) und seinen Stellvertretern
Bereits im Vorfeld zeichnete sich ab, dass die Grünen-Fraktion mit Rebenther als stellvertretenden Bürgermeister und Vorsitzenden des Hauptausschusses alles andere als grün ist. "Der Leiter dieses Gremiums muss überparteilich sein, Gäste sollen sich äußern können, die Diskussion muss sachlich sein", so Grünen-Fraktionschefin Ines Strehlau. Gründe, warum "wir Sie nicht wählen können", lautete der Frontalangriff.
In Sachen Bürgermeisteramt zog Rebenther freiwillig zurück, doch nicht als Gremiumschef. Sofort wurde ein Wahlausschuss gebildet, die Stimmabgabe war geheim. Das Ergebnis denkbar knapp: 15 stimmten für Rebenther als Hauptausschuss-Chef, doch 16 sagten nein. Drei Politiker enthielten sich der Stimme, eine war ungültig.
Das anschließende Minen-Spiel von Rebenther sprach Bände. Teilnehmer hatten den Eindruck, dass der langjährig in der Politik engagierte Christdemokrat das Handtuch gänzlich schmeißt. Die CDU beantragte eine Sitzungsunterbrechung. Und hielt an ihrem Vorschlagsrecht fest: Als hätte Kirsten Sajitz mit ihrer Rolle als CDU-Partei- und -Fraktionschefin nicht genug zu tun, wurde sie auch als Rebenther-Alternative ins Rennen geschickt - und einstimmig vom Gremium akzeptiert.
Doch um 20.37 Uhr passiert genau das, womit Beobachter gerechnet hatten: Die Union setzte zur Retourkutsche an. Plötzlich stand Birgit Andersek (Grüne) im Fokus, ihr sicher geglaubter Posten als neue Chefin des Bauausschusses wackelte. Die geheime Abstimmung hielt Andersek die krasse Realität vor Augen: 19 Mitglieder sagten Nein, 16Ja. Auch die umgehend vorgeschlagene Gudrun Gabriel-Schröder, Grünenpolitikerin mit dem einzig gewonnenen Direktmandat, erhielt eine Abfuhr in der von Herwart Straub (FDP) beantragten geheimen Wahl: Ihre Unerfahrenheit wurde mit 23 Nein- gegen zwölf Ja-Stimmen quittiert.
SPD-Fraktionschef Helmuth Jahnke zog die Notbremse: Schluss damit, "wir sollten eine Auszeit nehmen. Das hat sich hier hochgeschaukelt." Konsequenz: Der Posten des Bauausschuss-Vorsitzenden bleibt bis zur Ratssitzung am 16. Juli offen. Kleiner Trost für Andersek: Ihre Wahl zur stellvertretenden Bauausschuss-Vorsitzenden verlief einstimmig. Das Gremium ist laut Bettina Markmann von der Kommunalaufsicht somit handlungsfähig.
In der kommenden Woche trifft sich die Grünenfraktion zur weiteren Beratung. Ines Strehlau rieb sich gestern noch verwundert die Augen. Über das Verhalten der Union ist sie enttäuscht. "Wir haben unsere Bedenken gegen Rebenther begründet. Die CDU schwieg, als es um die Person Andersek ging", so die Fraktionschefin. Auch habe es im Vorfeld aus den Reihen der Union Signale gegeben, dass es an diesem Abend nur eine geheime Abstimmung in Sachen Rebenther geben werde. Strehlau hofft, dass "das nicht der Umgangsstil in den kommenden fünf Jahren wird".

