Der Ortskern stirbt nicht!
Von AndreaGröpper, in: Halstenbeker Informationen und Meinungen 2/2004
Im Juni hat die Gemeindevertretung einstimmig den Willen bekundet, die Grundversorgung im Halstenbeker Ortskern und Krupunder zu sichern
Diese Absichtserklärung verdeutlicht, auch vor dem Hintergrund der geplanten Gewerbegebietserweiterung mit einem Verbrauchermarkt, den Willen der Politik, den Ortskern mit seinen Geschäften erhalten zu wollen. Die SPD-Fraktion will es aber nicht bei bloßen Absichtserklärungen belassen. Wir haben deshalb in dieser Sitzung einen Ergänzungsantrag gestellt, mit der Bitte an die Verwaltung, den Ortskernrahmenplan von 1997 weiterzuentwickeln. Dieser schlummert schließlich seit Jahren ungenutzt in der Schublade. Dabei enthält er aber wesentliche Vorschläge, wie der Ortskern attraktiver gestaltet werden könnte. Durch Umgestaltungen zur Verkehrsberuhigung entlang der Hauptstraße, Poststraße, Schulstraße und Gustavstraße, einer Öffnung des Rathausvorplatzes zur Poststraße sowie einer gesamten Auflockerung des Ortskernes durch Straßenbegleitgrün könnten folgende Ziele erreicht werden:
- Bürger würden den Ortskern aufsuchen, um dort auch länger zu verbleiben und nicht nur die wichtigsten Dinge schnell einzukaufen
- der Ortskern könnte sich zu einem Erholungs-, Kommunikations- und Erlebnisbereich entwickeln
- Investoren wären eher bereit, Geschäfte und Gastronomiestätten, wie z.B. ein Cafe zu eröffnen.
Der Ortskern stirbt seit Jahren immer ein wenig mehr. Dieses lag zum einen an einem Desinteresse bzw. einer Blockadehaltung dortiger Immobilien- und Grundstücksbesitzer. Zum anderen aber vielleicht auch daran, dass die Gemeinde trotz dieser Probleme nicht deutlicher in Aktion getreten ist.
Dem will die SPD-Fraktion jetzt endlich entgegentreten. Es wird höchste Zeit, dass die Gemeinde durch gestalterische Elemente ihren Teil dazu beiträgt, den Ortskern zu beleben und damit ein besseres Klima für Einzelhändler und Gastronomiebetreiber zu schaffen.
Im Bauausschuss wurde Einvernehmen darüber erzielt, detailliertere Planungen zur Ortskerngestaltung Anfang 2005 in Angriff zu nehmen. Bis dann sollen mögliche Investorenplanungen vorliegen, die von der Verwaltung miteinbezogen werden können.
Ich bin zuversichtlich, dass sich unser Ortskern nicht nur retten lässt, sondern durchaus noch entwicklungsfähig ist. Dazu bedarf es allerdings zügiger Schritte.
Seit Jahren vollzieht sich ein schleichender Prozess der Verödung.
Die Gründe dafür liegen sowohl in einer mangelnden Attraktivität des Ortsbildes, als auch in einer geringen Sortimentsbreite noch vorhandener Geschäfte.
Daraus resultiert die traurige Zahl von gerade mal 30 % der Halstenbeker Einwohner, die dort regelmäßig einkaufen. Die restlichen 70 % tätigen ihre Großeinkäufe in Hamburg oder Schenefeld, sind also heute schon als Kunden in den Halstenbeker Fachgeschäften verloren. Sollte ein Verbrauchermarkt im Gewerbegebiet realisiert werden, so würden diese verlorenen Kunden zurückgeholt werden. Die Kaufkraft im Ort dürfte sich nicht verschlechtern, da weder heute noch in Zukunft sich jemand in einem großen Verbrauchermarkt in die Schlange stellt, um ein Brot, etwas Obst und die Zeitung zu kaufen. Umgekehrt ist es mir bis heute noch nicht passiert, dass ich in einem Geschäft im Ortskern oder Krupunder in einer Schlange mit vor lauter Joghurt- und Saftpaletten überlaufenden Einkaufswagen verweilen musste.
Die ansässigen Geschäftsinhaber argumentieren natürlich gegenteilig und das ist auch ihr gutes Recht. Wir Bürger sollten aber die zukünftige Entwicklung Halstenbeks realistisch betrachten und diesem befürchteten Untergangsszenario kritischer begegnen.
Für eine Gemeinde mit über 15.000, teils doch recht gut situierten, Einwohnern werden sich doch wohl Investoren finden, die diese vorhandene Kaufkraft nutzen wollen.

