Aldi muß in Halstenbek ein "Blindgeschoß" bauen
Pinneberger Zeitung vom 28. Juli 2005
Die Kombination ist bekannt: Aldi, Deutschlands größter Discounter, siedelt neue Geschäfte gern dort an, wo es nebenan einen Lebensmittel-Supermarkt gibt. Im Kreis Pinneberg hat sich diese Gemeinschaft beispielsweise mit Edeka in Wedel bewährt.
Ein solches Doppel soll es - wie berichtet - auch in Halstenbek geben. Denn in Nachbarschaft zu dem bereits in Bau befindlichen Aldi-Markt an der Einmündung Hauptstraße/Hartkirchener Chaussee wird Edeka-Händler Martin Böge einen Frischemarkt errichten. Diese Einkaufsmagneten sollen zugleich die Keimzelle für die Ortskerngestaltung bilden.
Merkwürdig ist allerdings die architektonische Gestaltung des Aldi-Markts. Während sonst stets eingeschossige Gebäude mit einem flachen Satteldachaufsatz errichtet werden, baut Aldi in Halstenbek zwei Vollgeschosse. Nicht ganz freiwillig, wie Bauamtsleiter Holger Lange bestätigte. Die Aldi-Planer hatten einen Änderungsantrag für den geltenden Bebauungslan gestellt, um jenen eingeschossigen Standardbau errichten zu können. Doch Halstenbeks Politiker hielten im Bauausschuß an dem alten Bebauungsplan fest. Der gültige B-Plan sieht für das Grundstück jedoch eine mindestens zweigeschossige Bebauung vor. Diese Festsetzung stammt noch aus der Zeit, als auf dem Gelände Planungen für einen Lebensmittel-Supermarkt in Verbindung mit Büros oder Wohnungen betrieben wurden. Der Ortskern sollte damit ein attraktives Entree bekommen.
Doch das ist längst Schnee von gestern. Inzwischen schütteln Experten den Kopf über diesen Halstenbeker Schildbürgerstreich. Denn nach Scheitern des Änderungsantrags baut Aldi nun brav einen zweigeschossigen Zweckbau, dessen erste Etage keinerlei Nutzungsfunktion hat. Das "Blindgeschoß" - so ein Baufachmann - werde lediglich mit einer Leichtbaudecke vom Erdgeschoß getrennt. Das Unter nehmen Aldi lehnte eine Stellungnahme zu dem Bauvorhaben ab.

