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Geteilter Raum für Fußgänger und Autos

Alle 28 Meter steht im Durchschnitt ein Verkehrsschild. Insgesamt mehr als 20 Millionen Schilder in Deutschland. Schätzungen haben ergeben, dass davon sechs Millionen überflüssig sind. Das es auch anders gehen kann, will Halstenbek im Ortskern vormachen.

Von Dietmar Vogel, in: Pinneberger Tageblatt vom 3. Juni 2008


Experten schätzen: Von etwa 20 Millionen Verkehrsschildern auf Deutschlands Straßen sind etwa sechs Millionen überflüssig. Halstenbek will dagegen angehen. Fotos: vog

Was haben die niedersächsische Kommune Bohmte und Halstenbek gemeinsam? Laut Holger Lange, Leiter des Bauamtes, eine Menge. Größe, Bevölkerungszahl und innerörtliche Verkehrsführung würden sich ähneln. Nur, dass Bohmte seit Jahren im Fokus eines EU-Projekts namens "Shared Space" steht. Halstenbek will nicht länger warten: Die Politik machte jetzt den Weg frei, um auf den Zug einer neuen revolutionierenen innerörtlichen Verkehrsplanung aufzuspringen.


Bauamtschef Holger Lange setzt sich für das neue Verkehrskonzept ein.

"Shared Space": Was verbirgt sich hinter dem Begriff? Dahinter steckt ein einfaches Prinzip der Raumplanung, der in ganz Europa immer mehr Beachtung findet: Autofahrer und Fußgänger teilen sich den Raum. Ohne Verkehrsschilder. Es hebt die herkömmliche Trennung der verschiedenen räumlichen Funktionen auf.

Das entscheidende Merkmal von "Shared Space" sei, so Lange, dass "Verkehrsschilder, Fußgängerinseln, Ampeln und andere Barrieren nicht mehr nötig sind". Autofahrer fügen sich rücksichtsvoll ins menschliche Miteinander von Fußgängern, Radfahrern und spielenden Kindern ein. Tempo der Autofahrer und Blickkontakte spielen eine große Rolle.

Graue Theorie? Im Gegenteil. Halstenbek setzt auf Tempo. "Die Selbstverwaltung hat sich dafür entschieden, die er fahrene Firma GfL Planungs- und Ingenieurgesellschaft mbH aus Bremen mit der Ausarbeitung eines Konzept zu betrauen", gibt Lange das Ergebnis der Beratungen bekannt.

Ganz konkret geht der Experte in der Verwaltung auf die nicht akzeptable Situation von Fußgängern ein, die beispielsweise von Lammers in Richtung Böge an der Hauptstraße gehen wollten. "Die müssen huschen, um ihr Ziel zu erreichen." Überhaupt: Das Areal rund um Hauptstraße, Gustavstraße und am Rathaus soll besonders in der Planung berücksichtigt werden.

Etwa fünf Jahre veranschlagt Amtsleiter Lange für die Realisierung. Zeit, die sich die Kommune nehmen sollte. "Das Projekt Shared Space soll schließlich den Ort in den nächsten Jahrzehnten prägen." Es gilt überall "rechts vor links". Bürgernah und bürgerfreundlich. Die Bürgersteige sollten schließlich nicht nach 19 Uhr hochgeklappt werden.