Bummeln, begegnen, verabreden
Der Start war vielversprechend: Beim Thema Neugestaltung des Ortskerns entzündete sich eine lebhafte Diskussion.
Von Dietmar Vogel, in: Pinneberger Tageblatt vom 27. November 2008

Kompetenz pur: Marek Schreckenberg (Landschaftsplaner, von links), Axel König (Raum- und Stadtplaner), Stadtplanerin Maren Ritter sowie Bürgermeisterin Linda Hoß-Rickmann (parteilos), Birgit Andersek (Grüne, Bauausschuss-Vorsitzende) und Stadtplanerin Renate Klüver.

Zum Abschluss wurden orangefarbene und blaue Zettel verteilt. Darauf schrieben die Bürger Visionen und Leitideen, die bis 2015 realisiert werden sollen, auf.Fotos (2): Vogel
Etwa 63 Prozent fahren mit dem Auto in den Halstenbeker Ortskern. 40 Prozent der Krupunderaner benutzen das Fahrrad, um für Einkäufe oder Dienstleistungen in Rathausnähe zu gelangen. Für die City-Atmosphäre gab es eine ernüchternde Note 4,3 (schlechter als ausreichend).
Der Blick auf die Einzelhandelsanalyse aus dem Jahr 2003 ist bis heute deprimierend, Handlungsbedarf nötiger denn je. Die Reaktion auf die Einladung zur Auftakt-Veranstaltung "Ein neues Gesicht für unseren Ortskern" in der Gemeinschaftsschule am Dienstagabend war dagegen vielversprechend: Mehr als 200 Bürger ließen sich die Chance nicht entgehen, kreativ ihre Ideen zur Umgestaltung des Ortskerns mit einzubringen.
Kompetenz saß den Bürgern in der Aula gegenüber: Bürgermeisterin Linda Hoß-Rickmann (parteilos), Bauamtsleiter Holger Lange und Stadtplanerin Renate Klüver sowie Birgit Andersek (Grüne, Bauausschuss-Vorsitzende) aus Halstenbek teilten sich die Rednerplattform mit Axel König (Raum- und Stadtplaner), Marek Schreckenberg (Landschaftsplaner) und Stadtplanerin Maren Ritter.
Die Experten aus Bremen wurden bewusst eingeladen: Das Trio gilt als Spezialistenteam dafür, einen Ortskern ohne Struktur auf Vordermann zu bringen. Das Planungsbüro GfL hat zahlreiche Referenzen aufzuweisen.
Laut König gibt es in Halstenbek Handlungsbedarf. Die Schlagworte "bummeln, begegnen, verabreden" klingen zunächst pauschal, doch sie haben Tiefenwirkung. Denn Halstenbeks Orstkern bietet viel, die Defizite lassen dagegen in Sachen Mobilität per pedes oder per Auto zu wünschen übrig.
An dieser Stelle wollen die Planer mit den Bürgern als Ideengebern ansetzen. Fußgänger, Verkehr, Gastronomie, Veranstaltungen, Parken, Fahrrad-Netz, Einzelhandel/Gewerbe und Wohnen - die Facetten sollen unter einen Hut gebracht werden. König appellierte an die Bürger: "Wir wollen auch vergessene Ecken städtebaulich attraktiv machen."
Im Kern sollen die Bürger in Workshops/Arbeitsgruppen vier Schwerpunkte im Ortskern unter die Lupe nehmen: die Hauptstraße, den Rathaus-Platz mit Gustavstraße, die Kreuzung Haupt-/Frieden- und Poststraße sowie die Poststraße. Mögliche Maßnahmen wurden bereits diskutiert: Tempo-Drosselung geschickte Anordnung von Parkplätzen Pflanzen für Nebenplätze Barrierefreiheit neue Querungshilfen Betonung der Eingangssituation für den Ortskern Öffnung der Plätze und Steigerung der Aufenthaltsqualität.
Zu guter Letzt verteilten die Planer orangefarbene und blaue Wunschzettel an die Bürger. Zwei Fragen sollten darauf beantwortet werden: Welche Leitideen/Visionen haben Sie für den Ortskern im Jahr 2015? Was sollte bis 2015 umgesetzt werden?
Skepsis darüber, ob das "neue Gesicht" finanzierbar ist, wischte Verwaltungschefin Hoß-Rickmann vom Tisch: "Die Umsetzung des Projekts ist unsere feste Absicht. Es ist keine Planung für den grünen Tisch."
Erste Konsequenzen gab es bereits: Die Grund- (A und B von 250 auf 300 Prozentpunkte) und Gewerbesteuern (von 310 auf 330 Prozentpunkte) wurden angehoben - ein plus für die Gemeindekasse von 476 000 Euro.

