Die evangelische Kirche wird Träger der hortähnlichen Betreuung an der Gemeinschaftsschule
CDU und FDP stimmten geschlossen für das organisatorisch schlechtere, konzeptionell problematischere und finanziell teuere Angebot
Von Helmuth Jahnke (6. Februar 2011)
Zum Schuljahresbeginn im Herbst dieses Jahres muss die Trägerschaft für die Betreuung an der Grund- und Gemeinschaftsschule neu geregelt werden. Die Schüler der bisherigen Grundschulen Nord und Süd ziehen zusammen mit der Gemeinschaftsschule in das neue Gebäude auf der Brandtschen Wiese. Die Vereinbarungen mit der evangelischen Kirche (Kirche) und der Arbeiterwohlfahrt (AWO) über die hortähnliche Betreuung wurden zum 30. September 2011 gekündigt. Beide Institutionen hatten sich um die Trägerschaft beworben. Dabei hat die AWO das eindeutig bessere Angebot vorgelegt.
Während die Betreuung durch die Kirche nur insgesamt gebucht werden kann, ist das Betreuungsangebot der AWO flexibler. Die Betreuung kann (bei entsprechender Kostenreduzierung des Entgelts für die Eltern) auf einzelne Tage beschränkt werden (z. B. weil die offene Ganztagsschule an anderen Tagen die Betreuung gewährleistet), bei Bedarf können weitere Tage hinzu gebucht werden. Auch nicht betreute Kinder können in Notfallsituationen (z. B. in den Ferien) für einen begrenzten Zeitraum aufgenommen werden.
Organisatorisch sieht das Konzept der AWO eine enge Kooperation mit der offenen Ganztagsschule bei der Hausaufgaben- und Mittagessenbetreuung und den Nachmittagsangeboten vor. Darüber hinaus wird ein regelmäßigen Kontakt zur Schulleitung und den Lehrkräften zwecks Austausch über die Entwicklung der Kinder und die Beteiligung an schulinternen Veranstaltungen angestrebt. Im Angebot der Kirche fehlen solche konkreten Angebote für die Zusammenarbeit mit der Schule.
Inhaltlich richtet sich das Konzept der AWO am Leitziel der Chancengleichheit für alle Kinder aus und bietet u. a. entsprechende Fördermöglichkeiten an. Demgegenüber fußt das Konzept der Kirche auf dem (Gottes-)Auftrag, Fürsorge für die Kinder zu übernehmen, wie im Vorwort des Konzeptes ausgeführt wird. Die Betreuung orientiert sich am christlichen Menschenbild („Gütezeichen evangelisch“). Durch das Vorbereiten und Feien christlicher Feste, monatliche Andachten (für alle Kinder), die Mitwirkung bei Familiengottesdiensten sowie die jährliche Bibelwoche sollen den Kindern christliche Inhalte nahe gebracht werden. Im Hinblick auf die Kinder aus Familien ohne christlichen Hintergrund dürfte sich die Inanspruchnahme der Betreuung sowohl aus der Sicht der betroffenen Eltern als auch der Kirche problematisch gestalten.
Auch finanziell ist das Betreuungsangebot der AWO für die Gemeinde günstiger. Die Betreuung durch die AWO kostet insgesamt zwischen rd. 264.000 € und maximal 292.000 €. Das (ursprüngliche) Angebot der Kirche beinhaltet Ausgaben in Höhe von rd. 311.000 € (darunter Verwaltungskosten in Höhe von über 25.000 €), das während der Beratung in den Gremien etwas reduziert wurde. Der von der Gemeinde zu zahlende Zuschuss an den Träger für die Betreuung ist bei einer Trägerschaft der AWO aber immer noch um mindesten 10.000 € geringer als bei einer Trägerschaft der Kirche (die der Gemeinde 160.000 € kosten wird). Mit dieser Summe könnten etliche Kürzungen in anderen Bereichen wie z. B. den Büchereien, der Jugendarbeit oder der Kultur verträglicher ausfallen.
Gleichwohl haben CDU und FDP in der Sitzung der Gemeindevertretung am 31. Januar 2011 geschlossen für die Trägerschaft der Kirche gestimmt. Erklären lässt sich dies wohl nur dadurch, dass im Vorfeld der Entscheidung (in bisher nicht erlebter Intensität) erheblich auf die Gemeindevertreter eingewirkt wurde. Selbst während der unüblich gut besuchten Sitzung der Gemeindevertretung gab es noch 23 Redebeiträge aus den Reihen der Träger und betroffenen Eltern. Genützt hat es nichts mehr. CDU und FDP waren festgelegt. Die Vermeidung unnötiger Ausgaben zählt bei ihnen trotz anderslautender Lippenbekenntnisse im Zweifel wenig.

