Halstenbeker Kirche wirft die Awo aus dem Rennen
Gemeinderat entschied über Trägerschaft für Schüler-Betreuung
Rainer Burmeister, in: Pinneberger Zeitung vom 2. Februar 2011
Die Trägerschaft für die Betreute Grundschule in der künftigen Halstenbeker Grund- und Gemeinschaftsschule wird von der evangelischen Kirchengemeinde übernommen. Mit diesem Beschluss, der von der Verwaltungsempfehlung für die Arbeiterwohlfahrt (Awo) abweicht, setzte sich eine knappe Mehrheit von CDU und FDP in der Gemeindevertretung durch. Die Fraktionen von SPD und Grünen stimmten bei je einer Enthaltung dagegen.
Vorangegangen war eine fast zweistündige Debatte, die vor allem von den betroffenen Eltern teilweise sehr emotional geführt wurde. Bürgervorsteher Otto Sajitz (CDU) hatte zur Gemeinderatsvorlage über die Vergabe der Trägerschaft 23 Wortmeldungen aus dem Kreis der Zuhörer notiert.
Eröffnet wurde die Diskussion von den Repräsentanten der im Wettbewerb stehenden Trägerorganisationen. Awo-Regionalleiter Klaus Ulrich Sembill und Pastor Norbert Dierks, Vorsitzender des Kirchenvorstands der Kirchengemeinde, umrissen jeweils aus ihrer Sicht die Vorteile einer Trägerschaft. Knackpunkt sind allerdings die Kosten. Unterm Strich wird die Trägerschaft der Kirchengemeinde gegenüber dem Angebot der Arbeiterwohlfahrt um mindestens 11 000 Euro teurer im Jahr. Ursprünglich war sogar eine Differenz von mehr als 20 000 Euro errechnet worden. Doch die Kirche besserte nach mit einer Reduzierung der Verwaltungskosten.
Trotz der Mehrkosten votierte die Mehrheit der Gemeindevertretung für die Zusammenarbeit mit der Kirchengemeinde. Die Kirche betreut bislang 75 Kinder der Grundschule Nord, während sich die Awo um 40 Kinder der Schule Süd kümmert. In der neuen zentralen Einrichtung werden zunächst 100 bis 110 Plätze angeboten.
Die Sitzordnung der Anhänger von Awo und Kirche erinnerte ein wenig an die Fan-Blocks in Fußballstadien. Aus Sicht der Gemeindevertreter saßen links die Awo-Unterstützer und rechts die Kirchenanhänger. Über weite Strecken ging es in den Wortbeiträgen um die Flexibilität der Betreuungsangebote, den Einfluss der Kirche während der Kinderbetreuung bis hin zum Essensangebot. Dabei kam es immer wieder zu emotionsgeladenen Beschreibungen vermeintlicher Vor- oder Nachteile. So bemängelten Awo-Fans, dass in einer öffentlichen Schule christliche Betreuungsarbeit mit Tischgebeten und Bibelstunden geleistet werden solle. Die Kirchenvertreter stellten klar, dass sie trotz ihrer Religionszugehörigkeit für Menschen aller Glaubensrichtungen und auch für Atheisten zugänglich seien. Immerhin wurde gegenseitig versichert, man wolle mit der Werbung für das eine Angebot nicht das andere schlecht machen. Grimassen und abfälliges Gemurmel hinterließen allerdings ein anderes Bild. Da Bürgervorsteher Otto Sajitz es großzügig versäumte, die Wortbeiträge zu kanalisieren, gab es teilweise ausufernde Beschreibungen, die vom Hundertsten ins Tausendste gingen. Prompt setzte auch in den Fraktionen das Zwiegespräch ein und Raucher gingen auf den Schulhof zur Zigarettenpause.

