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Wortschlacht um Hortbetreuung

Sören Christian Reimer, in: Pinneberger Tageblatt vom 2. Februar 2011


Pastor Norbert Dierks warb für die Erlöserkirche als Träger.


Zahlreiche Bürger diskutierten über die Zukunft der Betreuung an der im Bau befindlichen Grund- und Gemeinschaftsschule. Rei (2)

Zwei Bewerber, 23 Wortmeldungen und vereinzelt Tränen - die Diskussion über den künftigen Träger der hortähnlichen Betreuung an der im Bau befindlichen Gemeinschaftsschule hatte es in sich. Das Problem: Sowohl die Arbeiterwohlfahrt als auch die Erlöserkirche hatten sich beworben und bis zuletzt kämpften ihre Vertreter sowie unterstützende Eltern um den Zuschlag. Für beide ging es darüber hinaus um die Zukunft ihres Angebots in Halstenbek: Mit Einweihung der neuen Schule, werden die bisher separaten Angebote an der Grundschule Nord und Süd zusammengelegt. Schließlich entschieden sich die Mehrheit von CDU und FDP für den kirchlichen Träger, obwohl das die Kommune etwa 10 000 Euro mehr pro Jahr kosten wird. Darüber herrschte vor allem bei den Grünen Unverständnis. Sie setzten sich für den kostengünstigeren Vorschlag der Awo ein: Mit Blick auf die Kassenlage der Gemeine warf Jürgen Malke FDP und CDU daher inkonsequentes Verhalten vor. "Wir versuchen an jeder Stelle zu sparen. Es ist mir unklar, warum das nun anders sein sollte", so Malke. Bereits im der jüngsten Sitzung des Schulausschusses hatten Bürger und Politiker lange über die Bewerber diskutiert. Die Awo setzte auf ein flexibles Betreuungskonzept. Auch die geringeren Kosten wurden als Vorteil ins Feld geführt.

Anders die Kirche: Sie plädierte dafür, die Kinder in festen Betreuungsgruppen unterzubringen und betonte die Vorzüge der christlichen Erziehung für die Entwicklung der Jungen und Mädchen. Ein weiteres Argument: Die Kontinuität für die Kinder, denn Zweidrittel der betroffenen Jungen und Mädchen werden derzeit von ihnen betreut. Schließlich entschied sich der elfköpfige Ausschuss mit einer knappen Mehrheit von sechs Stimmen, der Gemeindevertretung die Kirche als Träger zu empfehlen. Die Gemeindeverwaltung wiederum schlug, wie auch die Grünen, aus finanziellen Gründen die Awo vor.

In der Gemeindevertreterversammlung kam es dann zum finalen Aufeinandertreffen der Wettbewerber. Klaus-Ulrich Sembill, Geschäftsbereichtsleiter der AWO, und Pastor Norbert Dierks von der Erlöserkirche warben erneut für das jeweilige Konzept ihrer Organisation. Dierks hob die Vorteile der christlich-orientierten Erziehung hervor. Doch das sahen einige anwesenden Eltern anders. Während sich die offiziellen Vertreter der Bewerber versöhnlich gaben und auch die Qualifikation der jeweils anderen Organisation hervorhoben, argumentierten die Erziehungsberechtigte deutlich angriffslustiger und emotionaler.

Eltern aus dem Umfeld der Awo sorgten sich um den Einfluss des kirchlichen Trägers auf ihre Kinder, gerade wenn die Erziehungsberechtigten keine religiöse Erziehung befürworteten. "Werden Jungen und Mädchen, die nicht an Bibelwochen teilnehmen wollen oder sollen, zu Hortkindern zweiter Klasse?", fragte sich eine Mutter.

Unterstützer der Erlöserkirche verwiesen vor allem auf die festen Gruppen im Erziehungsangebot. Die sei für die Kinder von enormer Bedeutung und es wäre nicht hinnehmbar, wenn die Möglichkeit, sich für eine solche Gruppe zu entscheiden, wegfallen würde.

Nach den Bürgern war es an den Politikern, die Entscheidung zu fällen. Ihre Diskussion viel deutlich kürzer aus. Dieter Birnkraut (CDU) begründete die Entscheidung seiner Partei für die Erlöserkirche mit deren Betreuungskonzept. SPD und Grüne wiederum fanden das Awo-Konzept und die geringeren Kosten attraktiver, konnten sich aber nicht durchsetzen.

Awo-Mann Sembill zeigte sich im Gespräch mit unserer Zeitung sichtlich enttäscht: "Wir haben eine wirtschaftliche und klar kalkulierte Vorlage geliefert. Die Behauptung der Kommunalpolitik, sparen zu wollen, hat keine Bedeutung mehr gehabt. Das schmerzt schon sehr."