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Die Gemeinschaftsschule Halstenbek

Der lange Weg zum Erfolgsmodell

Von Helmuth Jahnke (23. März 2007)

Realschule HalstenbekDer drohende Einsturz von Gebäudeteilen der Grund- und Hauptschule Süd und die zurückgehenden Schülerzahlen der Hauptschule, aber auch der Realschule haben die Gemeinde veranlasst, über die Schulentwicklung in Halstenbek nachzudenken. In diesen Prozess sind Eltern, Schüler und Lehrer einbezogen worden. Die von der SPD angestrebte Zusammenlegung der Haupt- und Realschule als erster Schritt auf dem Weg zu einer integrierten Gesamtschule scheiterte am Widerstand der Betroffenen. Eine von CDU und Grünen propagierte Modellschule erwies sich schon früh als nicht genehmigungsfähig. Gleichwohl wurde die Gemeinschaftsschule erst spät beantragt, weil Teile der CDU nach wie vor jede Form einer integrierten Schule ablehnen und die Grünen ein großes Schulzentrum vorziehen. Es ist dem Drängen der SPD zu verdanken, dass es gegen den Widerstand von CDU und Grünen doch noch zu einer Gemeinschaftsschule gekommen ist. 82 Schülerinnen und Schüler haben sich für den 1. Jahrgang der Gemeinschaftsschule (Klasse 5) angemeldet, davon wohnen 24 nicht in Halstenbek. Damit kann die Schule nach den Sommerferien zum Schuljahr 2007/2008 endlich ihren Betrieb aufnehmen.

Im Januar 2001 traten im Atriumbereich und in der Pausenhalle der Grund- und Hauptschule Süd starke Risse auf. Untersuchungen ergaben, dass die Fundamente des Gebäudes nicht ausreichend dimensioniert sind: ein Abriss des Atriumbereichs und der Pausenhalle sei unvermeidbar; allerdings könne das Gebäude bei entsprechenden Sicherungsmaßnahmen vorübergehend weiterhin als Schule genutzt werden. Im Hinblick hierauf wurde die Verwaltung zunächst beauftragt, an anderer Stelle im Schuleinzugsbereich der Schule Süd einen Schulneubau für die Grund- und Hauptschule zu planen. Die SPD sprach sich dafür aus, voreilige Festlegungen zu vermeiden und die Bürgerinnen und Bürger umfassend an der Entscheidung zu beteiligen.

Im Februar 2002 fand in der Grundschule Bickbargen eine Veranstaltung zur Schulentwicklungsplanung statt, die sogenannte Zukunftswerkstatt, an der Vertreter der Schulen, Kindertagesstätten, des Jugendzentrums, der Politik und der Verwaltung teilnahmen. Als aus verschiedenen Gründen beste Lösung schälte sich dabei die Verlagerung der Hauptschule zur Realschule heraus. CDU und SPD beschlossen deshalb – begleitet von heftigen Protesten der
Betroffenen -, die Hauptschule aus der Schule Süd zum nächst möglichen Zeitpunkt auszugliedern und in die Realschule zu integrieren.

Gegen diesen Beschluss der Gemeindevertretung wurden 2109 Stimmen für einen Bürgerentscheid mit der Frage „Soll die Hauptschule Halstenbek von der Grundschule Süd abgetrennt und am Standort der Realschule Feldstraße in die Realschule integriert oder daran angegliedert werden?" gesammelt. Angesichts dieser Proteste änderte die CDU ihre Meinung; die Kommunalwahl 2003 war in Sichtweite. Im Mai 2002 wurde gegen die Stimmen der SPD beschlossen, dass die Hauptschule nicht von der Grundschule Süd abgetrennt und in die Realschule integriert oder daran angegliedert wird. Vielmehr sollte während der weiteren Schulentwicklungsplanung die Schule Süd mit einem möglichst geringen finanziellen Aufwand so saniert werden, dass die Aufrechterhaltung des Schulbetriebes gewährleistet ist. Durch diesen Beschluss erledigte sich das Bürgerbegehren. Die Lösung der Schulprobleme rückte in weite Ferne. Die von den Grünen ins Spiel gebrachte und von der CDU freundlich aufgenommene kooperative Gesamtschule an der Gärtnerstraße neben der Feuerwache wurde zu Recht nicht ernsthaft weiter verfolgt.

Herr Krämer-Mandeau wurde mit der Schulentwicklungsplanung beauftragt. Im Herbst 2003 stellte er seine Ergebnisse vor, die angesichts sinkender Schülerzahlen ab 2010 eine Integration der Haupt- in die Realschule nahe legten. Eine Befragung Eltern im Februar 2004 führte zu der Empfehlung des Gutachters, das Gymnasium zu stärken, auf die Hauptschule künftig mangels Masse zu verzichten und die Real- und Hauptschule zu fusionieren.

Im März 2004 fand in der Grundschule Bickbargen erneut eine sogenannte Zukunftskonferenz mit rund 100 Vertretern von Schulen, Kindergärten und Politik statt, die mehrheitlich eine integrierte Gesamtschule befürworteten. Diese Vorstellung wurde aufgegriffen. Die Gemeindevertretung beschloss im Juni 2004, Grundschule, Haupt- und Realschule an einem Standort zusammen zu fassen und um einen gymnasialen Zweig zu erweitern. Eine pädagogische Arbeitsgruppe erarbeitete für diese vierzügige Verbundschule Eckpunkte, die im September 2004 von der Gemeindevertretung beschlossen wurden. Danach bleiben alle Schüler bis zur 6. Klasse im Klassenverband. Erst ab Klasse 7 werden 3 Schulzüge mit Durchlässigkeit nach oben gebildet und die Fächer schulartübergreifend angeboten. Ganztagsangebote und eine Verflechtung mit den Kindertagesstätten waren vorgesehen. Spätestens zum Schuljahr 2005/2006 sollte diese neue Schule als Modellschule ihren Betrieb aufnehmen.

Allerdings gab es Auffassungsunterschiede über die Dreigliederigkeit und den Umfang der Schule. CDU, Grüne und FDP wollten keine integrative Schulform. Mit ihrer Stimmenmehrheit wurde beschlossen, dass die neue, angestrebte Schulform keine integrative Gesamtschule sein darf. Außerdem wurde der Antrag der SPD abgelehnt, die Schule ohne Dreigliedrigkeit, dafür ab Klasse sieben als dreizügige Schule bis Klasse zehn mit individueller Förderung zu definieren.

In einem Abstimmungsgespräch mit dem Bildungsministerium im Januar 2005, an dem auch Vertreter der Fraktionen teilnahmen, wurde darauf hingewiesen, dass das Konzept nicht genügend neue Ansätze enthalte, um einen Modellversuch zu rechtfertigen. Es wurde vorgeschlagen, die Eckpunkte zu überdenken und eine dreizügige gemeinsame Schule für die Klassen 1 bis 10 zu entwickeln. Gleichwohl wurde auf Antrag der CDU mehrheitlich beschlossen, unverzüglich förmliche Genehmigungs- und Förderanträge zu stellen. Die Landtagswahl stand bevor und der Ortsvereinsvorsitzende der CDU wollte Landtagsabgeordneter werden. Auch die Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave erklärte während einer Veranstaltung der SPD in der Realschule, dass ein Modellcharakter nicht erkennbar sei.

Nach der Landtagswahl und weiteren Gesprächen mit Vertretern des Landes und des Kreises versuchten CDU und Grüne vorsichtig umzusteuern. Nun sollte die neue Schule dreizügig werden. Statt der Dreigliedrigkeit sollte es von der siebten Klasse an lediglich noch die Einteilung in Elementar- und Leistungsgruppen geben. Der beabsichtigte Start wurde auf das Schuljahr 2006/2007 verschoben.

Im Oktober 2005 wurde einstimmig das pädagogische Grobkonzept für die neue Schule verabschiedet. Unterschiedliche Auffassungen gab es, welche Schulart in Kiel beantragt werden sollte. Die SPD wollte entsprechend dem Rat aus dem Bildungsministerium eine Gemeinschaftsschule beantragen. Aber CDU, Grüne und FDP setzten durch, „schnellstmöglich“ einen Antrag auf Einrichtung einer Modellschule zu stellen. Das Bildungsministerium lehnte den Antrag im März 2006 erwartungsgemäß ab, weil das Modell außer der halbjährlichen Neueinschulung keine neuen Ansätze enthalte. Erst im Juni 2006 nach starkem Drängen der SPD gab die CDU ihren Widerstand auf und stimmte für die Gemeinschaftsschule. Kiel bewilligte sofort zusätzliche Fördermittel. Aufgrund der verlorenen Zeit war ein Schulbeginn im Herbst 2006 nicht mehr möglich.

Im Januar 2007 gab das Bildungsministerium grünes Licht für einen Beginn der Gemeinschaftsschule zum Schuljahr 2007/2008, wenn u. a. sich mindestens 70 Schüler anmelden. Diese Voraussetzung wird erfüllt. Innerhalb der Anmeldefrist haben sich 82 Schülerinnen und Schüler für die Gemeinschaftsschule angemeldet, die nun mit einer dreizügigen Orientierungsstufe am 28. August 2007 zunächst in Containern ihren Betrieb aufnehmen wird. Erforderlich ist jetzt die schnelle Schaffung der notwendigen Räumlichkeiten, die eigentlich schon lange hätte in Angriff genommen werden können. Alles spricht dafür, dass die Gemeinschaftsschule Halstenbek bei entsprechender Unterstützung durch die Gemeinde zu einem Erfolgsmodell und Vorbild für andere Schulträger in Schleswig-Holstein werden wird.

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