Wie groß ist der Erweiterungsbedarf für das Wolfgang-Borchert-Gymnasium?
Schule ist ab dem 1. August 2009 nur noch Gymnasium für die Halstenbeker Schülerinnen und Schüler
Von Helmuth Jahnke (8. Februar 2009)
Die Gemeinde Halstenbek wird kraft Gesetzes am 1. August 2009 Träger des Wolfgang-Borchert-Gymnasiums. Das Gymnasium wird von diesem Zeitpunkt an nur noch eine Schule sein, die die Gemeinde für die in ihrem Gebiet wohnenden Schüler vorhält. Nach der Mindestgrößenverordnung muss das Gymnasium mindestens 300 Schülerinnen und Schüler in der Sekundarstufe I erreichen. Eine Verpflichtung, darüber hinaus gehende Kapazität vorzuhalten oder zu schaffen, ergibt sich mittelbar daraus, dass die Gemeinde ein Gymnasialangebot für die in ihrer Gemeinde wohnenden Schülerinnen und Schüler vorhalten muss. Als Kreisgymnasium, das mehrheitlich von Schülern mit Wohnsitz außerhalb Halstenbeks besucht wird, ist das Wolfgang-Borchert-Gymnasium mit seiner jetzigen Kapazität für die Bedürfnisse der Gemeinde eindeutig überdimensioniert. Die von der Schule gewünschte Erweiterung (Vorlage 5. E zu 26/2008) beruht darauf, dass sie zum Schuljahr 2009/2010 weiter überwiegend auswärtige Schüler aufnehmen will und der Kreis es bisher unterlassen hat, Vorsorge für die Nachfrage zu treffen, obwohl er zurzeit immer noch Träger des Wolfgang-Borchert-Gymnasiums und damit verantwortlich für die Befriedigung dieses Bedarfs ist.
Für die Gemeinde gibt es keinen Grund, schon jetzt, ohne bereits Schulträger zu sein, einen Erweiterungsbedarf für das Wolfgang-Borchert-Gymnasium anzuerkennen, der auf seiner Funktion als Kreisgymnasium beruht. Die von der Schule gewünschte Erweiterung, die mit erheblichen Kosten verbunden ist, käme im Grundsatz nur dann in Betracht, wenn die Gemeinden ohne entsprechendes eigenes Schulangebot, die ihre Schüler stattdessen auf das Wolfgang-Borchert-Gymnasium verweisen, sich an der Finanzierung oder Trägerschaft der Schule beteiligen. Es ist der Halstenbeker Bürgerschaft nicht zumutbar, dass sie mit ihren Steuern, die dafür möglicherweise weiter erhöht werden müssen, ein Schulangebot für auswärtige Schüler mitfinanziert.
Unabhängig hiervon könnte die gewünschte Erweiterung sich als Fehlinvestition erweisen. Zurzeit ist das Gymnasium kleiner als vierzügig. Nach allen vorliegenden Prognosen über die zu erwartenden Schülerzahlen ist zwar in den nächsten beiden Jahren noch mit steigenden Schülerzahlen in den Eingangsklassen zu rechnen. Aber danach gehen die Schülerzahlen kontinuierlich erheblich zurück. Wenn die Erweiterung des Gymnasiums in frühestens 2 Jahren abgeschlossen ist, könnten die neuen Räume schon nicht mehr gebraucht werden. Zudem ist unsicher, wie sich die insgesamt rückläufigen Schülerzahlen auf das Wolfgang-Borchert-Gymnasium und die umliegenden bestehenden oder in der Entstehung befindlichen Gemeinschaftsschulen verteilen werden.
Selbstverständlich muss die Gemeinde - hierfür wird sich die SPD einsetzen das Gymnasium genauso gut und bedarfsgerecht ausstatten, wie ihre übrigen Schulen. Aber ob und in welchem Umfang eine Erweiterung vorgenommen werden muss, um ein gutes gymnasiales Angebot für die Halstenbeker Schülerinnen und Schüler vorzuhalten, bedarf noch der Klärung.

