Asbest: Die Luft ist wieder rein
Ein Handwerker hatte bei Sanierungsarbeiten während der Ferien eine belastete Trennwand angesägt.
Rainer Burmeister in Pinneberger Zeitung vom 8. April 2008
Das Halstenbeker Wolfgang-Borchert-Gymnasium hat den größten Putzeinsatz seiner Geschichte hinter sich. Der Auslöser: Ein Handwerker hatte bei Sanierungsarbeiten in den Ferien eine asbesthaltige Trennwand angesägt. Um eine Belastung der Raumluft mit Partikeln des hochgradig Krebs erregenden Mineralstoffs zu verhindern, musste das gesamte Schulgebäude von Grund auf gereinigt werden.
Erst als am Sonntagabend eine Messung unbedenkliche Werte ergab, entschloss sich Rektor Karsten Schneegaß, den Unterricht für die etwa 850 Schüler wie gewohnt aufzunehmen. Schulfrei nach den Ferien gab es nicht.
Allerdings mussten einige Schüler umziehen. Denn vier Klassenräume in unmittelbarer Nachbarschaft zum Flur, auf dem das folgenschwere Missgeschick geschah, wurden gestern noch mit Einsatz von Belüftungsgebläsen getrocknet. Die Abluftschläuche hingen wie ein Kunsthappening aus den Fenstern im zweiten Stockwerk. Auch die Aula im Erdgeschoss blieb noch wegen Trocknung gesperrt.
Gefahr ist allerdings nicht mehr im Verzuge. Messungen der Raumluft an mehreren Stellen im kreiseigenen Gymnasium ergaben, dass der gesetzliche Grenzwert von weniger als 500 Fasern pro Kubikmeter Raumluft wieder unterschritten ist.
Die Messungen wurden von dem Hamburger "Planungsbüro für Schadstoffsanierung AB Dr. Berg" vorgenommen. Geschäftsführer Alexander Berg erläuterte, bei den ersten Messungen nach dem Vorfall seien Werte "um die 1000 Fasern" je Kubikmeter Raumluft festgestellt worden. Asbestfasern könnten Krebs auslösen, wenn sie eingeatmet werden.
Beim Arbeitseinsatz, der am Montag, 31. März, mit dem Ansägen der Asbestplatten vorzeitig endete, sollten im Rahmen einer Brandschutzsanierung Türen im Flur ausgetauscht werden. Der Handwerker habe es besonders gut machen wollen, vermutet die Sprecherin der Kreisverwaltung, Christiane Paul.
Für die anschließende Komplettsäuberung der Schule waren zwei Reinigungsfirmen mehrere Tage lang im Einsatz. Der Gesamtschaden beläuft sich auf rund 100 000 Euro. Für die Regulierung muss die Versicherung des Handwerksbetriebs aufkommen. Über das weitere Vorgehen bei der Brandschutzsanierung sowie für ein generelles Sanierungsprogramm für den Schulbau aus den 70er-Jahren sollen weitere Gutachten in Auftrag gegeben werden. Die Gemeinde Halstenbek soll die Schulträgerschaft vom Kreis übernehmen.
Rektor Schneegaß hatte in Abstimmung mit dem Kreis Pinneberg sämtliche Eltern und Schüler über den Vorfall informiert und rechtzeitig Entwarnung gegeben.

