Wir wollen endlich mehr Lehrer
Volle Klassen, verkürzte Schulzeit, zentrales Abitur, Oberstufen-Profil - und alles ohne zusätzliche Pädagogen.
Claudia Eicke-Diekmann in Pinneberger Zeitung vom 28. November 2008
Die Schüler des Halstenbeker Wolfgang-Borchert-Gymnasiums haben's richtig satt: Ständig fallen ihre Schulstunden aus, teilweise sitzen in den Klassen schon mehr als 30 Kinder, auch die Kurse sind überfüllt. Zudem ist das von Schulleiter Karsten Schneegaß im Rahmen des neuen achtjährigen gymnasialen Ausbildungsgangs - kurz: G 8 - angestrebte und eingeplante vierte Oberstufenprofil Ästhetik von Kiel im Sommer kurzerhand abgelehnt worden.
"Wenn wir beim Pisa-Test schlecht abschneiden, ist das nicht unsere Schuld", beklagten 900 Gymnasiasten lautstark per Megaphon im Bickbargen Richtung Landesregierung. "Wir wollen mehr Lehrer!"
Das Wolfgang-Borchert-Gymnasium ist ein Beispiel für eine landesweite Misere. Seit Jahren steigen die Schülerzahlen an den Gymnasien, mehr Lehrer stellt die Landesregierung jedoch nicht ein. Die Folge ist ständiger Unterrichtsausfall.
Am Wolfgang-Borchert-Gymnasium mussten im Sommer wegen Lehremangels Klassen der derzeitigen sechsten Jahrgangsstufe zusammengelegt werden. Deswegen lernen am Bickbargen teilweise 32 Kinder in einer Klasse, das ist überdurchschnittlich viel und widerspricht jeder modernen Vorstellung von Schule und Lernen. Zudem würden durch das neu eingeführte Turbo-Abi, das Zentralabitur, die Profiloberstufe und den Mittelstufenabschluss sehr viel mehr Anforderungen an das eh schon knappe pädagogische Personal gestellt, meint Daniele Engler vom Arbeitskreis "Mehr Lehrer für das Wo-Bo-Gym": "Am Wolfgang-Borchert-Gymnasium ist die Situation inzwischen untragbar geworden".
Das Gymnasium am Bickbargen war auch Thema in der aktuellen Versammlung der Gemeindevertreter: Auf Antrag von Bündnis 90/Die Grünen wurde der Entschluss über die Festlegung des zusätzlichen Raumbedarfs des Wolfgang-Borchert-Gymnasiums zur Beratung in den Ausschuss für Kinder, Schule und Jugend verlegt. Hintergrund: Nach dem Landesschulgesetz soll das bislang dem Kreis Pinneberg zugehörige Gymnasium im kommenden Jahr in Halstenbeker Trägerschaft übergehen. Das bedeutet, dass die Gemeinde Halstenbek künftig für das sanierungsbedürftige Schulgebäude aus den 70-er Jahren zuständig ist. Zudem hat Schulleiter Schneegaß mit Verweis auf G8 und Profiloberstufe Bedarf für zwölf zusätzliche Räume und Erweiterungen des Lehrerzimmers und der Caféteria angemeldet.

