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Der Kreis will die Kosten loswerden

Halbwahrheiten, Provokationen, Gesprächsprotokolle mit dem Landrat, Sanierungs- und Neubau-Kosten - die Übernahme der Trägerschaft für das Gymnasium am 1. August steht unter keinem guten Stern.

Dietmar Vogel in Pinneberger Tageblatt vom 12. Februar 2009


Schulplaner Wolf Krämer-Mandeau referierte in Halstenbek am 16. Februar 2004. Das Wolfgang-Borchert-Gymnasium bezeichnete er damals als "Flaggschiff der Gemeinde".

Helmuth Jahnke sitzt nicht nur als SPD-Politiker im Gemeinderat von Halstenbek. Der Richter ist auch Abgeordneter im Pinneberger Kreistag. Sein Blick geht über den Tellerrand hinaus, somit auch sein Wissen über Kreis-Interna. Am 1. August übernimmt die Baumschulgemeinde die Trägerschaft des etwa 35 Jahren alten, sanierungsreifen Wolfgang-Borchert-Gymnasiums (WoBo) aus den Händen des Kreises. Im Vorfeld wird mit harten Bandagen gekämpft. Wer verantwortet den Sanierungsstau von etwa elf Millionen Euro? Muss sogar komplett abgerissen werden? Wer zahlt für den Neubau von Klassenräumen, Verwaltung und Mensa?

Jahnke schwang sich während der Sitzung der Gemeindevertretung zum Bedenkenträger auf. Sein Einwurf während der Diskussion zum Thema "Übernahme WoBo - Festlegung des notwendigen Erweiterungsbedarfs" verbreitete alles andere als Optimismus: "In der Kreisverwaltung wird nicht eingesehen, dass überhaupt was bezahlt werden soll." Jahnke legte noch eine Schippe drauf: "Landrat Wolfgang Grimme nimmt eine harte Position ein. Wir müssen uns darauf einstellen, dass der Kreis die Kosten loswerden will." Es sei eine Lastenverschiebung zu Lasten Halstenbeks zu erwarten.

Ines Strehlau, Fraktionschefin der Grünen, preschte nach vorn und forderte, dass es aus ihren Reihen zwar ein klares Ja zum Raum-Konzept gebe. "Aber wir müssen den Kreis mehr in die Pflicht nehmen." Der Antrag der Grünen-Politikerin: Besprechungs- und PC-Räume sowie das Lehrerzimmer solle zusätzlich zu den Sanierungskosten der Kreis finanzieren.

Fakten, dass "die Schülerzahlen künftig sinken werden und somit die Umlandgemeinden verstärkt finanziell beteiligt werden sollen", nutzte Jahnke anschließend als Druckmittel in Richtung Verwaltung. Rathaus-Chefin Linda Hoß-Rickmann ließ die Provokation abprallen. Sie konterte, dass sie mit Landrat Grimme über die Problematik verhandelt habe. Er habe ihr versichert, dass in den entsprechenden Sitzungen über beide Extrem-Positionen gesprochen worden sei.

Hoß-Rickmann bestätigte gegenüber unserer Zeitung, dass es mittlerweile ein gemeinsames Baugutachten des Kreises und Halstenbeks gibt. Daraus geht hervor, dass sich der Sanierungsstau auf mittlerweile etwa elf Millionen Euro beziffert, die Neubaukosten für Klassen- und Gruppenräume sowie der Mensa zur Aufrechterhaltung der G 8- und Profiloberstufe bei 4,8 Millionen Euro liegen werden.

"Wir übernehmen in keinem Fall die Sanierungskosten", bleibt Hoß-Rickmann hart. Dagegen werde die Gemeinde nicht umhin kommen, sich an der Finanzierung der Anbauten zu beteiligen. Zudem - um Halbwissen und Unwahrheiten auszuschließen -, wolle sie den Fraktionen die Gesprächsprotokolle mit der Kreisverwaltung zur Verfügung stellen.

Das Motto müsse heißen: "Vorausschauend planen", versuchte Strehlau die Gemüter zu befrieden. Laut einer Erhebung des Kreises werde sich in Jahnkes Anspielung auf sinkende Schülerzahlen die Zahl der Fünftklässler am WBO zwischen 104 und 108 einpendeln. "Also vierzügig", so Strehlau. Auch von CDU-Chefin Kirsten Sajitz gab's Optimismus zum Anfassen: "Das Gymnasium ist ein Flaggschiff der Gemeinde, so wie es bereits der Schulplaner Wolf Krämer-Mandeau 2004 gesagt hat."

Die Bauausschuss-Vorsitzende Birgit Andersek sieht das Prozedere pragmatisch: Die Grünen-Politikerin fordert eine Antwort von der Kreisverwaltung darauf, "was ist alter, was ist neuer Bedarf?" Der Streit solle nicht auf dem Rücken der Schüler ausgetragen werden: "Wir sollten sie nicht hängen lassen. Wir beschließen eine Notwendigkeit." Die Diskussion im Rat endete nicht mit einem Beschluss: Der Tagesordnungspunkt wurde zur Beratung erneut in den Schulausschuss verwiesen.

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