CDU wirft Kreis pure Ignoranz vor
Dietmar Vogel, in: Pinneberger Tageblatt vom . April 2010
Jan Krohn ist ein Fan: "Das Wolfgang-Borchert-Gymnasium zählt fachlich zu den besten Oberschulen in Schleswig-Holstein und ist ein absolutes Aushängeschild für unsere Gemeinde." Dementsprechend zornig reagiert der CDU-Gemeindevertreter in Halstenbek auf der Homepage seiner Partei auf den miserablen baulichen Zustand der mehr als 30 Jahre alten Lehranstalt am Bickbargen.
Krohn hat einen Schuldigen im Visier: "Dafür sind Kreisverwaltung und Kreispolitik allein verantwortlich. Der Kreis ist grob fahrlässig mit dieser Liegenschaft umgegangen. 30 Jahre lang wurde, wenn überhaupt, nur das Nötigste gemacht." Sein Vorschlag: "Der Kreis erlässt Halstenbek zweieinhalb Jahre lang die Zahlung der Kreisumlage - und wir nehmen die Sanierung des WoBo’s als Schulträger selbst in die Hand."
Für das Haushaltsjahr 2010 sind etwa 5,2 Millionen Euro für die Kreisumlage vorgesehen. Das Rechenmodell ginge auf. Zum Verständnis: Nachdem das Bildungsministerium in Kiel eine teilweise Verlagerung des Borchert Gymnasiums in die Rellinger Gemeinschaftsschule abgelehnt hat, weist Krohn jetzt den Kreis Pinneberg verstärkt auf seine Verantwortung für den baulichen Zustand des "WoBoGyms" hin.
Krohn nimmt kein Blatt vor den Mund: "Der Kreis Pinneberg wollte für das Gebäude noch etwa vier Millionen Euro von uns haben. In Hinblick auf den allgemeinen Zustand der Liegenschaft weigerten wir uns, auch nur einen Cent zu zahlen." Daraufhin gab Ex-Landrat Dr. Wolfgang Grimme (CDU) ein Gutachten über die bauliche Substanz des "WoBo" in Auftrag. Ergebnis: ein Sanierungsstau von 11,7 Millionen Euro. "Es handelt sich um Investitionen, die der Kreis als Träger hätte ausführen müssen, aber aus purer Ignoranz und klammer Kassen nicht durchgeführt hat", wettert Krohn.
Die Kreispolitik hat sich mehrheitlich in 2009 dafür ausgesprochen, für die Renovierung Mittel in Höhe von maximal sechs Millionen Euro zur Verfügung zu stellen. Halstenbek müsse im Gegenzug den Rest von 5,2 Millionen selbst schultern.
Krohn hofft auf Einsicht beim neuen Landrat Oliver Stolz (parteilos): Halstenbek könne in keinem Fall dazu gezwungen werden, doppelt zu bezahlen - Kreisumlage und Sanierung -, um die Fehler des Kreises aufzufangen: "Wir fordern auch alle anderen kommunalen Politiker im Kreis auf, sich unserem Protest anzuschließen."

