Halstenbeks SPD fordert mehr Ökostrom
Derzeit bezieht die Gemeinde ihre Energie noch zu 38 Prozent aus Atomkraftwerken
Pinneberger Zeitung vom 18. Januar 2012
Mehr Ökostrom in Halstenbek, das fordert die SPD-Fraktion. "Wir wollen, dass die Gemeindewerke Halstenbek bis 2014 aus der Nutzung von Atomstrom aussteigen und den Anteil der regenerativen Energieträger drastisch auf 50 Prozent ausbauen", sagt Christoph Bittner, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Halstenbeker SPD. Seine Fraktion will einen entsprechenden Antrag in den Gemeinderat einbringen.
Derzeit setzt sich der Strom der Gemeindewerke Halstenbek zu 38 Prozent aus Kernkraft, 46 Prozent aus fossilen Energieträgern und nur zu 16 Prozent aus regenerativer Energie zusammen. Die Halstenbeker Sozialdemokraten wollen, dass die Gemeindewerke ihren Beitrag dazu leisten, dass mehr Ökostrom produziert und eingespeist wird.
Die Sozialdemokraten möchten den bestehenden Ökostromtarif "Aquawatt" der Gemeindewerke durch einen neuen Ökostromtarif ersetzen. Momentan wird der Aquawattstrom aus österreichischen Wasserkraftwerken bezogen, ohne Verpflichtung des Produzenten, zusätzliche regenerative Kapazitäten zu schaffen. "Sehr bedenklich ist, dass Österreich Stromimporteur ist und somit zwar einerseits Strom aus Wasserkraft nach Deutschland exportiert wird, aber andererseits umso mehr Atom- und Kohlestrom nach Österreich eingeführt wird. Das bringt für die Umwelt gar nichts", sagt Christoph Bittner.
"Insbesondere den Bürgern, die sich bewusst für Ökostrom entschieden haben, muss auch Ökostrom geliefert werden, der den strengen Maßstäben der Umweltverbände genügt. Wir brauchen hier das ,Grüne Strom Label'." Der nach strengen Richtlinien zertifizierte Ökostrom verpflichtet die Erzeuger zum Ausbau regenerativer Produktionskapazitäten. Die SPD möchte zudem den Anteil der selbst erzeugten Strommenge von sechs Prozent in den nächsten zehn Jahren auf 25 Prozent erhöhen. Bestehende Verträge laufen 2014 aus. Der Strom für 2014 muss allerdings schon in diesem Jahr gekauft werden.
Gute Nachricht für den Verbraucher: Die Mehrkosten sollen nicht über den Strompreis an sie weitergegeben, sondern vom Gemeindehaushalt abgefangen werden. Werkleiter Uwe Lamberti begrüßt dies: "Wenn es einen Zwang zum Ökostrom geben soll, dürfen die höhere Kosten, die beim Einkauf von Ökostrom entstehen, nicht an die Kunden weitergegeben werden." Verbraucher würden sonst vermehrt ihre Verträge kündigen und zu anderen Anbietern wechseln. Seit der Liberalisierung des Strommarktes haben die Gemeindewerke zehn Prozent der Kunden an andere Stromanbieter verloren.
Bisher sei die Bereitschaft der Menschen nicht so groß, mehr Geld für sauberen Strom auszugeben, auch wenn es derzeit lediglich zwölf Euro mehr sind im Jahr. Der Zulauf, den Uwe Lamberti nach der Fukushima-Katastrophe registriert hatte, ist längst wieder abgeklungen. Bisher beziehen rund vier Prozent reinen Ökostrom über die Gemeindewerke Halstenbek.

