VHS-Umzug droht zu scheitern
Sicherheitsauflagen des Kreisbauamtes für den Halstenbeker Volkshochschulbetrieb in der Schule Nord sind zu hoch
Von Rainer Burmeister, in: Pinneberger Zeitung vom 2. Juli 2011

Foto: Rainer Burmeister
Droht der Umzug der Halstenbeker Volkshochschule in die Grundschule Nord zu scheitern? Gemeinsam mit der Gemeindebücherei soll das Bildungsinstitut in der Schule einen neuen Standort bekommen. Dies wird möglich, wenn im Herbst die Grundschule an der Poststraße in die neue Grund- und Gemeinschaftsschule an der Feldstraße einzieht. Doch jetzt stoßen die Umzugspläne unerwartet auf Schwierigkeiten. Es geht um diverse Sicherheits- und Brandschutzauflagen sowie vor allem um den vom Kreisbauamt geforderten Einbau eines Fahrstuhls. Der Lift soll dazu dienen, auch gehbehinderten Menschen einen Zugang zu den oberen Etagen des dreigeschossigen Gebäudes zu verschaffen.
Vor zwei Tagen fand im Rathaus ein vertrauliches Krisengespräch statt, an dem neben Bürgermeisterin Linda Hoß-Rickmann sowie VHS-Leiter Günther Traulsen auch Bauamtschef Holger Lange und weitere Mitarbeiter teilnahmen. Hintergrund für die aktuellen Probleme: Mit dem Einzug von VHS und Bücherei muss bei der Baugenehmigungsbehörde des Kreises Pinneberg eine Nutzungsänderung beantragt werden. Und die wird nur erteilt, wenn die Sicherheitsauflagen erfüllt werden. Damit sollen die neuesten Standards, wie breitere Flucht- und Rettungswege sowie Feuerschutztüren Anwendung finden. Unter der bisherigen Nutzung hatte die Schule Bestandsschutz und musste nicht alle Auflagen erfüllen.
Gestern traf ein Vorbescheid der Baugenehmigungsbehörde im Halstenbeker Rathaus ein. Demnach empfiehlt die Bauaufsicht, einen Lift einzubauen. Die noch nicht absehbaren Kosten für diesen Fahrstuhl könnten das gesamte Konzept des Umzugs ins Wanken bringen. Immerhin gibt es nach Worten von Bauamtschef Lange noch einen Ausweg: Wenn es gelänge, die VHS-Angebote bei der Beteiligung von Gehbehinderten in das Erdgeschoss zu verlagern, könnte dies möglicherweise den Lift überflüssig machen. Der größte Teil des Erdgeschosses soll allerdings der Bücherei zur Verfügung stehen.
Die Bürgermeisterin geht davon aus, dass der Umzugsdeal trotz der neuerlichen Schwierigkeiten nicht scheitern wird. Doch müssten die Kosten wegen der angespannten Haushaltslage im Rahmen bleiben. Allerdings ist derzeit noch nicht abzuschätzen, wie teuer der gesamte Umzug wird. Dabei geht es nach Langes Worten nicht nur um die Finanzierung der Sicherheitsauflagen und - wenn nötig - des Lifts. Auch über den Mietzins für die Nutzung des Gebäudes seitens der Volkshochschule und die Beteiligung der VHS an den Umbau- und Investitionskosten müsse verhandelt werden. Letztlich sind die politischen Gremien an der Entscheidung zu beteiligen. Volkshochschul-Geschäftsführer Traulsen wollte sich wegen der Vertraulichkeit der Beratungen nicht äußern.
Doch am Umzug hängt noch viel mehr: Wenn die Gemeindebücherei von der Gustavstraße zur alten Grundschule verlagert wird, wären die bisherigen Bibliotheksräume frei, um den angrenzenden Kindergarten der Kirchengemeinde erweitern zu können. Das Jugendzentrum, das derzeit neben der VHS im Haus für Jugend und Kultur am Neuen Weg untergebracht ist, zieht in die neue Gemeinschaftsschule um. Damit ist der alte Backsteinklotz wieder frei.
Das Grundstück, unmittelbar hinter der Lärmschutzplanke der Autobahn könnte verkauft werden und damit der Refinanzierung dienen. "Soll es aber nicht", sagt Bauamtsleiter Lange. Der Hintergrund: Auch in Halstenbek gibt es wieder steigenden Bedarf an Unterkünften für Asylbewerber. Da im Zuge verschiedener Baumaßnahmen einige der bisherigen Containerunterkünfte beseitigt werden mussten, soll nun das alte Jugend- und Kulturhaus als Reserve dienen. Mit relativ geringen Kosten wäre ein Umbau für den neuen Zweck zu bewältigen. Denn Küchen und Sanitäreinrichtungen sind ohnehin bereits vorhanden. Außerdem diente das Gebäude schon in den 1960er-Jahren als Lehrlingsheim der evangelischen Kirche.

